Druckschrift 
Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
Seite
252
Einzelbild herunterladen
 

252

5. Kapitel: Der Büchermarkt.

Streben des Uliner Magistrats, den litterarischen Fortschritten Hinderenisse in den Weg zu legen, die sogenannten Patrizier im Jahre 1790eine Lesegesellschaft errichteten. Sie wollten anfangs keine Bürgerlichenzulassen. Als sie es nicht durchzusetzen vermochten, blieben sie,umnicht von dem bürgerlichen Hauche angesteckt zu werden", weg.Sieleisteten vermuthlich dem Institute aus leicht zu errathcnden Ursacheneinen großen Dienst damit; nur das sogenannte Nauch- und Spiel-Zimmer dieses Instituts könnte sich von dieser Klasse wohlweiser Männerdie vorthcilhaftestcn Einrichtungen versprechen."^

Die Mitglicdcrzahl war zum Teil eine ziemlich hohe. Die Stral-sundcr Lescgcsellschaft konstituierte sich zwar nur mit 20, die Kötheneraber schon mit 70 Mitgliedern. Die Stralsunder Journalgesellschaftzählte 50, die Lescgcsellschaft in Bcrnburg 120, die in Frankfurt a. M.140 Mitglieder. Die Mitglieder der Circulationsgesellschaften rekru-tierten sich nicht bloß aus den betreffenden Stödten; unter den siebzigKöthener Mitgliedern befanden sich 17 auf dem Lande wohnende. DerJahresbeitrag betrug bei der Köthener Gesellschaft 2 Rthlr. 16 gr., nebsteinem Antrittsgeld von 3 Thalern, bei der Stralsunder 4 Rthlr., beider Glückstädter 4^ Thaler, im ersten Quartal 1 Rthlr. mehr, in Ulm 6 Gulden nebst einem Eintrittsgeld von 2^ Gulden; der Aufruf zurBildung einer Karlsruher Lcsegcsellschast" setzt 6 bis 8 Gulden an. Sowenig gut die Buchhändler allgemein auf die Lesegcsellschaftcn zu sprechenwaren: für den Einzelnen, der eine solche versorgte, lieferten sie einedankbare Kundschaft. Denn nehmen wir an, daß die Bernburgerdie nach dem Muster der Köthener gebildet wurde, nur denselben Jahres-beitrag eingeführt hatte wie diese, so hatte sie jährlich 320 Thaler zurVerfügung und dabei keine Miete für ein Lesezimmer oder dergleichen.Die Buchhändler drängten sich denn auch eifrig herzu; kluge Lesegesell-schaftcu aber gaben sich keinem einzelnen gefangen, sondern erhieltendie Konkurrenz dauernd im Gange, um, wie dieHarmonie" in Ham-burg ,dadurch das Interesse der Buchhändler zu reitzen, das Neuestebaldigst einzusenden".^

Während manche Lesegcscllschaften sich nur darauf beschränkten, dieBücher circulicrcu zu lassen in Glückstadt z. B. Journale und Bro-schüren von wenigen Bogen vier Tage, größere Werke eine Woche fürjedes Mitglied, durften z. B. in der Uliner Lesegescllschaft Bücher