Lcsegcsellschaft.
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und Zeitschriften nur im Lesezimmer benutzt und nicht mit nach Hausegenommen werden. Das Lesezimmer — mehr als 6 bis 7 Personentraf man selten darin an — befand sich in einem Gasthof und warmit einem Ablegezimmer und zwei Rauch- und Spielzimmern verbunden.Die Bücher wurden entweder abgestoßen, die Glückstüdtcr Lescgcscllschastfaßte z. B. in einer jährlichen Versammlung über ihre VerwendungBeschluß, oder es wurde daraus eine Bibliothek gebildet; die MarburgcrLitteraturgcscllschaft, die 1782 begründet wurde und 1793 einging,schenkte die ihren der Universitätsbibliothek.'-^ Manche Lesegcsellschaftcnlassen sich deutlicher als Lesekränzchcn oder dergleichen bezeichnen; dieMühlbachcr Gesellschaft z. B. (Siebenbürgen ) kam wöchentlich zu zweifestgesetzten Stunden zu gemeinsamer Lektüre, wobei man sich „wcchscls-weise mit Lesung unterhielt", zusammen.^
Gelesen wurden in den meisten Gesellschaften vor allen DingenZeitungen und Journale; diese Vereinigungen näherten sich, wenn sieLesezimmer hatten^ dem, was der Wiener , Prager u. s. w. an seinemKaffeehaus hatte — die Ulmer Gesellschaft kam dem in der That sehrnahe, und manche, wie die Coblenzcr'^, stand jedem offen; andrerseitsfreilich näherten sie sich eigentlichen littcrarischen Gesellschaften, ja warengeradezu solche: mit regelmäßigen Zusammenkünften, auf denen Vorträgegehalten wurden; auf diese hatte natürlich die Regierung ihr Auge zurichten; in Süddcutschland wurden ja Leihbibliotheken zuweilen nur mitder Klausel konzessioniert, daß die betreffende Bibliothek „niemals ineine Lcsegcsellschaft ausarte".'^ Solche Vereinigungen waren die „Lite-rarische Gesellschaft " in Halbcrstadt, dic sich jeden Mittwoch versammelteund unterm 15. Oktober 1796 von Friedrich Wilhelm bestätigt wurdetund die Lescgesellschaft in Wien , die im Jahre 1787 von der Regierungkonzessioniert wurde, Versammlungen und Vorlesungen zu halten. Hattensie kein Lesezimmer, so lassen sie sich am besten als Jonrnalzirkel — deraber eigene Unternchmnng der Leser war — bezeichnen. Solche reineJournal-Lescgcscllschaftcn finden wir gerade an denjenigen Orten, dic diewichtigsten Centren des Zeitungswescns waren, in Frankfurt a. M. undHamburg . Die Frankfurter Gesellschaft^ hielt im Jahre 1804 66 Zei-tungen nnd Journale: in deutscher Sprache 20 Journale, 15 Zeitungen,13 politische Zeitungen und 4 Jntelligenzblättcr, in französischer 8 po-litische Zeitungen und 3 Journale, dazu 2 italienische Zeitungen und