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5. Kapitel: Der Büchermarkt.
cinc englische Zeitung. Außerdem lagen das Genealogische Handbuch(1804) von Barrentrapp und Wcnncr und die Fremdcnzcttcl der wich-tigsten Frankfurter Geschäfte aus. Das Lesezimmer der Hamburger „Harmonie" galt als das „wohlgeordnetste, vollständigste und genuß-reichste" aller litterarischcu Institute dieser Art, wenngleich es räumlichrecht beschränkt war. Es enthielt im Jahre 1797 45 Journale und19 Zeitungen in deutscher, englischer, holländischer und französischerSprache und bot dem Besucher — Fremde konnten von Mitgliederneinen Monat lang unentgeltlich eingeführt werden — außerdem eineHandbibliothek, auf der die Büsten Klopstocks und des großen HamburgerHandclShistorikers Büsch prangten. Auch in der Lcscgcsellschaft zu Karls-ruhe sollten nur die wichtigsten „Bibliotheken", Journale, Zeitungen,Wochen- und Monatsschriften gelesen werden. Der Aufruf zur Bildungdieser Gesellschaft belehrt uns darüber, welche dieser Schriften für die„wichtigsten und gemeinnützigsten" erachtet wurden. Es waren die All-gemeine deutsche Bibliothek , das Journal von und für Deutschland, dieBibliothek der schönen Wissenschaften, die Göttinger, Gothaischen, HallischenJcnaischen, Leipziger und Tübinger Gelehrten Zeitungen und Anzeigen,Schlözcrs Staatsanzeigen, die Magazine aus Hannover, Hamburg undvon Lichtenberg, Gedickcs und Bicsters Berliner Monatsschrift, dasDeutsche Mnscum, Wielands Merkur und die Wiener Rcalzeitung.Diese Journalgescllschaften waren zweifellos die vornehmsten Gesellschaftendieser Gattung, und sie halfen einem wichtigen Bedürfnis ab; bitterklagte man darüber, als im Sommer 1801 die Lcscgcsellschaft in Spaaeingegangen war, daß sich die Badegäste nun kein einziges Blatt mehrverschaffen könnten.^ Sie waren denn auch außerordentlich verbreitet;in einer Lesegescllschaft zu sein und mit ihr möglichst viele Journale zuhalten, das war, hieß es in den achtziger Jahren, die „gelehrte neueWeise".2° Über ihr litterarisches Programm mögen uns die Glückstädterund Stralsuudcr Lcsegcsellschaft belehren. Die erstcre hielt die wichtigstenund besten Journale und Monatsschriften, Bücher zur Vermittelung ge-meinnütziger Kenntnisse: Geographie, Naturgeschichte, Historie, Statistikund dergleichen, Pamphlets und kleine Broschüren, die besten Almanachsund legte endlich Wert auf „vaterländische" Geistesproduktc; die letzterehielt leichte philosophische Schriften, Schauspiele, Gedichte und — „dennfür Damen mußte auch gesorgt werden" — Romane, als sie fünf Jahre