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5. Kapitel: Der Büchermarkt.
griffen. Damit das Geschäft recht in Schwung komme, bot er nuneinige Jahre später (1806) daneben noch kleine Bibliotheken zu 50 und25 Rthlr. an." Manche solche unzünftigc Unternehmung florierte außer-ordentlich; das Lese-Institut des Hauptmanns und Postmeisters von Napin-Thoyras in Oranienburg hatte mit seiner vorzüglichen Einrichtung undbequemen Spedicrung eine gewisse Berühmtheit; in weitem Umkreis ver-sandte es seine Lesebücher an Auswärtige, und eine Kabincttsordre derneunziger Jahre setzte das Postporto für sie auf ein Drittel der ge-wöhnlichen Posttaxc herab. °- — Die Verzeichnisse mancher Leihbiblio-theken, namentlich die „ersten" Verzeichnisse, machen einen sehr gutenEindruck, wenn auch freilich dahingestellt bleibt, welche Bücher besondersgelesen wurden; „nützliche Bücher", heißt es in einer Berliner Schriftvom Jahre 1780, „sind hier diejenigen, die fast immer zu haben sind,man erkennt sie sdie Leihbibliotheksbücher wurden gewöhnlich in Pappegebunden^ an dem neuen Deckel, bisweilen sind sie schon durch vieleHände gegangen und noch unaufgcschnitten; Liebes- und Rittergcschichtensehn dagegen sehr abgenutzt aus"." Das erste Verzeichnis der Solo-thurnschen Leihbibliothek (1788; 697 Nummern) enthält nicht nurpoetische Schriften, Historie und Reisebeschreibungcn, Romane, Theater-stücke (darunter Shakespeare , Racine, Lessing), sondern auch theologischeund ErbauungSschriftcn, Philosophie und schöne Wissenschaften (darunterKant, Herder, Montesquieu, Bacon, Rousseau, Sulzer , Meudclssohn,Caraccioli).°° Bezeichnender ist die Fortsetzung eines Ambergcr Leih-bibliothckskatalogs; er zeigt folgende Nummern: Zeitschriften 137, Ge-schichten und Romane 91, andere poetische Schriften 51, Dramen 46,Geographie und Reisen 26, Vermischtes 23, Gedichte 21.°° Zuweilenhaben sich in größer» Städten die Leihbibliotheken auch einigermaßenspezialisiert. In Liegnitz '" z. B. gab es zwei Leihbibliotheken. Diegrößere und besuchtere gehörte einem Buchbinder; sie enthielt in derHauptsache „modische" Schriften, d. h. unterhaltende Schriften für Ge-fühl und Phantasie, der Neugier und der Nomantik und wurde besondersvon den nieder» Klassen der Stadt und der Umgegend, und zwar haupt-sächlich vom weiblichen Geschlechtc benutzt. Die andere gehörte einemAccise- uud Zolleinnchmer. Sie hatte nur einige, aber gute Romane(von Lafontaine, Becker, Rochlitz , Müller) sowie Schriften und Journalevon Archenholtz, Wicland, Bcrtuch; in der Hauptsache aber diente sie