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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Die Klassiker, Lektüre des großen Publikum.?,

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biographic dic Namen dcr Autoren, die in diesen und den nächst fol-genden Jahren am meisten verlangt wurden: Zschokkc kommt uns darunternoch am klassischsten vor;wogegen Schiller's und Goethe's Werke nurspärlich abgesetzt wurden".

.Es lag also nicht allein daran, daß noch kein hinreichender wert-voller Stoff vorhanden war, und nicht allein an den hohen Preisen, daßdie Großen, Größern und Größten im großen Publikum unverhältnis-mäßig wenig gelesen wurden, sondern daran, daß es sie nicht zu lesenwünschte; und das war nicht eine Erscheinung, wegen der man es an-klagen müßte, sondern sie trat hier nur zum ersten male im großenMaßstabe auf. Empört schrie Göckingk im Jahre 1780 über dasdeutsche Publikum, mit dem nicht im entferntesten das anzufangen wärewie mit dem englischen. Wäre es der Fall, dann wollte er noch zehnJahre daran wenden, ein großes Werk zu vollenden;so aber einHundsfott der für das Publ nur ein Lied macht" 6°; und verächtlichschrieb Göschen 1787 an Schiller :Unser Publikum nimmt Thcil anallem, was für die Neugierde ist". Nichts andres lag aber vor, alsdaß eben damals infolge der gesteigerten Lektüre die Hauptgliederungdes allgemeinen Lesepublikums in drei Schichten erst ganz fühlbar wurde:zu unterst der Bodensatz dcr gröbern Volkslittcratur, der in seinerSchwere im Ganzen derselbe blieb, der er gewesen war; je mehr aberdie Wasser stiegen, deren Bodensatz diese Litteratur bildete, desto sicht-barer mußte der Unterschied zwischen der Tiefe und Masse dieser Wasserund ihrer leuchtenden Oberfläche werden. Bürger in seiner derb-originellenManier hatte eine schöne Bezeichnung für diesen Unterschied; er unter-schied Publikum und Pöblikum.

Der Magister Reiche, dcr wie ein unruhiger Schäferhund seineHerde umkreiste, auf daß seine Schäflein nicht vom Wege abirrten, gabseinen Autoren im Jahre 1783 folgendes Rezept^": Streitschriften in-teressieren nur wenige, auf jeden Fall ist nicht viel damit zu verdienen;Predigten, Erbauungsbücher, Exegctikagehen nicht weiter, als der Namedes Verfassers reicht"; Pädagogik«sind jetzt abgedroschen", höchstensJugendschriftcn von Campe und Weiße finden Absatz; Werke eines reisernNachdenkens gehören nicht zur Modelektüre, keinesfalls ist dabei aufschnellen Absatz zu rechnen.

Geschichte des Deutschen Buchhandels, m. 18