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ö. Kapitel: Der Büchermarkt.
Was bleibt übrig? Das weite Gebiet der schönen und der nütz-lichen Littcratur und der zwischen beiden schwebenden Geschichte undRciscbeschreibung. Und das war es jedenfalls, was das große Publikummit Vorliebe las.
Vor allen Dingen die schönen Wissenschaften, wie, als sollte miteiner einzigen Bezeichnung eine ganze geschichtliche Vorlesung gehaltenwerden, die unterhaltende Lektüre genannt wurde. Das Thcologisicren,schreibt das Deutsche Museum 1780, nimmt langsam ab; die Über-setzungen gehen zurück; die medizinischen Schriften halten sich seit vielenJahren auf gleicher Stufe; Philosophie und Philologie sind zurückge-gangen; kennzeichnend ist die angenehme Lektüre." Ein dramatischesSchriftchcn vom Jahre 1781^ läßt uns an einer Buchhündlcrversamm-lung teilnehmen, in der Autoren versteigert werden. Die Theologengehen am flauesten, sie sind aus der Mode; am lebhaftesten begehrt sindschöne Geister und Dichter. Wilhelm Fleischer in Frankfurt a. M. be-zeichnet 1792 als den herrschenden Inhalt der Lektüre der höhcrn Stünde:Romane, Gedichte, Komödien.^ Der Bcrner Buchhändler JohannGeorg Hcinzmann schützte die Zahl der in den Jahren 1773—1794in Deutschland verfaßten und übersetzten Romane müßig berechnet auf5850 und die in der ersten Hälfte der 1790er Jahre erscheinenden aufjährlich ca. 300.^ Auf der Messe war man gewöhnt, daß der eineKollege nichts Medizinisches, der andere nichts Theologisches, der drittenichts Juristisches, der vierte nichts Philosophisches gebrauchen konnte— nach Romanen und „lüsterner Lektüre" fragten alle.^ Wicland,Lafontaine, Rost, I. G. Müller waren die gelescnsten guten Roman-schriftsteller. Weiter unten herrschten Spieß, Crainer, Veit Weber ,Vulpius und das Heer der meist anonymen Verfasser der Ritter- undGeistcrgeschichten; „Das Jüdische Großmüttcrchcn, oder der schreckbareGeist der Frau im schwarzen Gewände" (Prag , Widtmann, 1798,294 S., 8. 18 gr.), „Holm von Schlchcnhorst, Vcrthcidigcr männlicherRechte, Geschichte aus den Nittcrzeitcn" (Altona , Schmidt Comp.,1798, 152 S., 8. 12 gr.), „Der Nachtwächter, oder das Nachtlagerder Geister bei Saatz in Böheim. Eine fürchterliche Sage aus denZeiten des grauen Zaubcralters" von Pabst (Prag , Stiaßny, und inKommission bei Barth in Leipzig , 1798, 240 S., 8. 16 gr.), „DerMann mit dem rothen Ermel, eine Geistcrgcschichtc" von v. T. F. Ar-