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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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ö. Kapitel: Der Büchermarkt.

wenigstens mit farbigem Umschlag, mit Kupfern womöglich von Chodo-wiecki oder von Pcnzel, Bolt, Öser, Crusius, Karcher geziert, brachtensie, im Umfang von etwa 12 Bogen und im Preise meist je nachder Ausstattung zwischen 1 und 1^/z Reichsthaler schwankend, aber auchhcrabgehend auf 20, 16, 12, ja 10 Groschen, allerhand angenehme Näsche-reien. Vor allem Gedichte; Lieder, Tänze und Touren; Anekdoten, Ein-fälle, Apophthegmata, Epigramme. Leichte Aufsätzchen und Notizen ge-meinnützigen und moralischen, auch biographischen, geographischen undsonstigen Inhalts aus der Zeit und für die Zeit; auch zeitgeschichtlichinteressante Landkcirtchcn wurden zuweilen beigegeben. Diese Almanacheboten also in der That auf einer höhern Stufe im Wesen dasselbe,was neben dem Kalendarium und seinen übrigen stehenden Bestandteilender Kalender zu bieten Pflegte; nur daß das Kalendarische ganz anderszurücktrat und gerade bei den vornehmsten Unternehmungen dieser Artgleich Anfangs ganz fehlte, wenn auch daneben der allgemeine NameTaschenbuch" erst in den achtziger Jahren aufkam. Das Borbild zudieser neuen und der Zeit so außerordentlich entsprechenden Erscheinunggab der französische^linltnae äes Nu8S8", der gerade seit dem Jahre1765 erschien. Nach ihm planten Gotter und Boic ihren GöttingerMusenalmanach" (Göttingen , Johann Christian Dietcrich, 17701805);von 1776 bis 1800 erschien der Vossische oder Hamburger Almanach(Carl Ernst Bohn , nur der erste Jahrgang in Voß' Selbstverlag inLauenburg, der letzte in Neustrelitz ); der dritte der vornehmsten Musen-almanache war der Schillersche (17961801, Cotta). Daneben ent-standen die beiden Leipziger bei Schwickert (17701781, herausgegebenvon Ch. H. Schmid) und Weygand (Almanach der Deutschen Musen"),der Wienerische Musenalmanach (seit 1777), derNeue Berliner" (her-ausgegeben von Fr. A. W. Schmid von Werneuchen 17931797, diebeiden letzten Jahrgänge unter dem TitelKalender der Musen undGrazien"). Übrigens gehörten hierher auch der Göttingische DeutscheCalcnder (Dieterich), der Gothaische Deutsche Hofcalender (Ettinger), derBerliner Genealogische Calcnder (Grävius), der Königlich Großbritanischund Kurfürstlich Braunschweigisch-Lüncburgische Genealogische Calender (Lauenburg, Berenberg ), die alle, von Chodowicckis Meisterhand mitKupfern geschmückt, unterhaltende und gemeinnützige Aufsätze enthielten.Der Musenalmanach aber erlebte eine rasche Verbreitung und Speciali-