Almanach (Taschenbuch).
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sierung. Schon in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre erschienen inHamburg der „Almanach für edle Seelen" (Möllersche Buchhandlung) undder „Almanach für Kinder und junge Leute", in denen beiden der moralischeAufsatz herrschte, der „Hamburgische Kinderalmanach" (Herold), der „Ham-burgische Kalender für die Jugend zur höchstleichten Erlernung der Ge-schichte" (Brandt), und in Leipzig ein „Almanach vor Dienstmadgens"(Fr. L. Gleditsch), der Reime, Rätsel u. dergl. enthielt und in ziemlichpöbelhafter Manier abgefaßt war, sowie ein „Biblischer Almanach"(Heinsius) mit biblischen Sprüchen, Versen, Erzählungen und erbau-lichen Aufsätzen und natürlich dem Bildnisse Gellcrts; und schon damalssagte Boie selbst, die Almanache hätten zwar Gutes gestiftet, aber auchviel Böses, und er habe sich an kleinen Versen den Magen verdorben^,und Nicolai verspottete ihn in seinem „söhnen KlkMön ^.lumimen volsedönerr eentsi r lidliensri' Voldcslisäsr, Inst-iZerr Rö) sn unnät, KIsZ-liener Noicksssellientö" (Berlin und Stettin , 1777, 1778). In derersten Hälfte des nächsten Jahrzehnts gab es bereits Almanache für Land-wirte, Apotheker, Scheidekünstler, Burschen, Schauspieler, Kaufleute, Frei-mäurer, Kinder Cytherens, Jäger und Junker, Belletristen und Bel-letristinnen, Liebhaber der Geschichte, Liebhaber der Philosophie, Liebhaberder Gesundheit u. f. w., ganz abgesehen von Almanachen wie dem Schwäbi-schen Musenalmanach (Cotta) von Stäudlin, dem Helvetischen oder BahrdtsKirchen- und Ketzeralmanach u. dergl. „Alles Ganze wird Fragment,alles Wesen Schatten!"^ Und so groß war bald die Konkurrenz aufdiesem Gebiete, daß selbst die Exemplare des Göttinger Musenalmanachs in erstaunlicher Menge zurückkamen und der alte Dietrich sich im Jahre1792 verdrossen davon zurückzog — er überließ ihn ganz seinemSohne —, weil er seit einigen Jahren dabei nicht mehr auf seine Rech-nung kam.^ Wer zuerst kommt, mahlt am besten. Die meisten kauftensich jährlich einen Almanach, und wer ein Liebchen hatte, der machteihr mit einem hübschen Taschcnbüchlein ein Präsent; ob das der Göt-tingcr Musenalmanach oder W. G. Beckers „Taschenbuch und Alma-nach zum geselligen Vergnügen" (Leipzig , Voß <K Comp.), der „Almanachund Taschenbuch für häusliche und gesellschaftliche Freuden" (Frank-furt a. M, Guilhauman und Heilbronn a. Neckar , Jndustrie-Comptoir),der Damcnkalcndcr, den Huber, Lafontaine, Pfeffel und Sulzer beiCotta erscheinen ließen, der „Almanach zur Beförderung des allgemeinen