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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Biographie, Memoiren. Rcisebeschrcibung.

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Hunderts, eine Junge Stickerin, einen Jungen Zeichner, einen MilitärischenAlmanach, Taschenbücher der Welt- und Lebensklughcit, gesellschaftlicheSpiele, einen Weiberspicgcl im ganzen 67 Almanache und Taschen-bücher für das Jahr 1801^; ein Hamburger Katalog vom Jahre 1803führt 52Almanachs und Taschenbücher" an, worunter Almanache fürLeckermäuler, für die Kinder Israels, für Ärzte, Chemiker und Pharm-ceutikcr, für Soldaten, für edle Herzen u. s. w.^

Zahlreiche und starke Fäden verbanden das Interesse an Romanund Schauspiel mit dem Interesse an zwei andern Gebieten, die fürdiese Zeit bezeichnend sind: der Biographie und der Reiscbcschreibung.Das reine Interesse am Persönlichen verbindet das Gebiet der freien Er-findung mit dem erstcrn, das am Stofflichen mit dem letztem; und häufiggenug sind die verschiedenen Gattungen kurz gesagt: im Erlebnis, imAbenteuer in der verschiedensten Abschattierung verbunden. Man sah darineine edlere Litteraturgattung als es die Durchschnittsware des Romans undSchauspiels war, und mit Recht. Häufig las man in den Vorreden:Umdas Heer schlechter Romane dadurch verdrängen zu helfen". Die zahl-reichsten und besten Schriften dieser Gattungen rekrutierten sich aus Über-setzungen aus dem Englischen und Französischen, und sie wurden mit Vor-liebe gelesen; versprachen sie doch schon nach ihrer Herkunft einen doppeltenReiz des Neuen und Fremden. Die Leben, Biographien, Gallerten,Briefe, Memoiren waren zahllos.Alles, was nicht Nitterromane undHexengcschichtcn schreiben kann, verliert sich jetzt in Anekdoten, Biographienund Gallerien." ^ Md die Rcisebeschrcibungen! Das war ein rechtesZeugnis des geistigen Aufwachens derNeugierde"; und des kiudlich-unschuldsvollen Aufwachens: denn nur um den Reiz des Hörens, desErfahrcns handelte es sich dabei. Eine reiche und wertvolle Littcratur,die Werke der Cook, Förster flössen den Zeitgenossen zu. Besonders be-zeichnend war aber das starke Anschwellen der deutschen Reiscbeschrcibungen,hauptsächlich in Deutschland selbst. Fast niemand, schrieb die BerlinerMonatsschrift von 1784 in einem AufsatzeÜber die vielen Rcisebeschrci-bungen in unfern Tagen", macht jetzt in Deutschland eine Lnstpartie, einenSpazierritt, eine Fnßpromcnadc für sich; Nord und Süd muß lesen, wasdem teuren Mann begegnet und, noch schlimmer, was ihm dabei eingefallenist; Kinder und Unmündige, Weiber und Jungfrauen, Unwissende undUnstudicrtc, Menschen ohne Kopf und Sinn und Kenntnis und Be-