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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5, Kapitel: Der Büchermarkt,

obachtungsgeist lassen Reisebeschreibungen drucken.^ Solcher Spott überdiese Art Reiscschriftstellcrei ist im Ganzen der herrschende geblieben; unddoch ist eine solche Beurteilung zu hart. Allerdings gingen diese Bücheroft ins lächerlich Kleinliche und berichteten das Gespräch mit jedem Wirteund Fremden u. dergl. Aber sie wurden nicht nur geschrieben, sonderngelesen, und gern gelesen, und wir können noch jetzt den Reiz, den dieseBücher und Büchlein auf den kleinen Bürgersmann ausübten, sehr wohlnachempfinden; denn so unbekannt, wie uns jetzt das Deutschland voranderthalb Jahrhunderten ist, so unbekannt war es in jener Zeit schwer-fälligen Verkehrs diesem Publikum ungefähr auch.

Das rein belletristische, das persönliche und das geographische In-teresse erfuhr so jedes für sich die reichste Entfaltung, und so beganneine Litteraturgattung an allgemeiner Bedeutung zu verlieren, die vorallem diese drei Richtungen in sich vereinigte, die Nobinsonadc; wenngleichsie auch jetzt noch gepflegt wurde. DieInsel Felsenburg" wurde noch1772 in Halberstadt, 1788/89 in Gotha neu aufgelegt; 1769 erschien derBiscayische Robinson", ein Jahr darauf erschienen in Negcnsburg dieBewundrungswürdigcn Begebenheiten eines Uhrmachers", und ähnlicheSchriften erschienen auch ferner, so bei Hendel (Halle )Robert, dereinsame Bewohner einer Insel im Südmer. Ein Robinson für Er-wachsene" (auch unter dem Titel:Robert, der größte Abcndtheurerunsers Jahrhunderts"), der vierte und letzte Teil 1798, und in dem-selben Jahre bei Müller (Riga und Leipzig )Die merkwürdigen Schick-sale des Avtomates, der neunzehn Jahre in der Einsamkeit auf der Insellebte. Nach dem Englischen frei bearbeitet von Karl Ephraim Schmidt";von beiden Büchern kostete der Band (18 Bogen) 18 Groschen.

Die Robinsonaden bilden zugleich den Übergang zu einem viertenGebiete: dem des Nützlichen, Praktischen, Brauchbaren. Naturgeschichte,Ökonomie, Physik und Erziehungswesen, die Menge der Journale, alleBücher zur angenehmen Lektüre, dazu die Menge Bücher zu den mecha-nischen Künsten, den Kriegswisscnschaften, der LittcraturgeschichtcLittcraturgebiete, ruft das Deutsche Museum aus, die man zur Zeit desDreißigjährigen Kriegs kaum dem Namen nach kannte, die sich dannallmählich entwickelt haben und jetzt nun in volter Blüte stehen.^

Die theologische und Erbauungslitteratur hatte dabei ihre Bedeu-tung für den großen Büchermarkt natürlich keineswegs ausgespielt.