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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Robinsonaden. Nützliche Litteratur, Theologische Littcratnr. 281

Kleinere, besonders süddeutsche Verlags- und Sortimentskataloge zeigenz. B. in den sechziger Iahren noch ein Übergewicht der kirchlichen Litte-ratur; ein Baseler Verlags- und Sortiments katalog vom Jahre 1760,der 83 Bücher aller und jeder Art enthält, verzeichnet 51 theologischeSchriften, Erbauungsbücher, Bibeln, Gebet- und Gesangbücher, also60 Prozent.^ Der Leipziger Professor und Superintendent Joh. Friedr.Bahrdt, der Vater Bahrdtsmit der eisernen Stirn", meinte freilichin den siebziger Jahren, für Predigten bekäme man fast keinen Verlegermehr, weil siefast nicht mehr geachtet" würden^, und im Jahre 1801schildert uns ein Buchhändler die durchschnittliche littcrarische Mustcr-karte, die der Buchhändler auf der Messe vorzeigte, wie folgt: Romanemit abgedroschenen Titeln, außerdem etwas über Kuhpockcnimpfung oderLebensverlüngcrung oder eine Landwirtschaftslchre oder etwas Pädago-gisches für Kinder Schackereiterpfcrde, Hannchens Winterabende, dasBuch zum Todtlachcn,mitunter wohl gar ein Prcdigtbuch" oder einenneu aufgelegten Benjamin Schmolke, nebenbei ein Traumbuch oder der-gleichen;etwas feiner kommen auch wohl Neisebeschrcibungcn vor".^Ein Kasseler Pfarrer meinte aber im Jahre 1791, Predigten würdendoch noch von sehr vielen gelesen, die sonst weiter nichts als in derBibel und in ihrem Kalender" lasen xin Buchhändler gab seine Ein-drücke von der Leipziger Ostcrmesse 1784 gar dahin wieder, daß Pre-digten und Romane und Schauspiele und Reisebeschreibungen nun einmalkurrente Ware heiße und sei, wenn auch jedem vernünftigen Menschendavor ekele"", und Nicolai schrieb im Jahre 1798, gute und schlechtePredigten würden noch immerbei Fudern" nach und von der LeipzigerMesse geführt und verkauft.^ Die Predigten in der That machten denHaupttcil dieser Litteratur aus; im Ostermcßkatalog 1780 z.B. bildensie ein Drittel aller theologischen Schriften, worauf dann die Schriftendogmatischen Inhalts folgen, die über ein Viertel betragen. Damalskonnte man behaupten, es würden mehr Predigten gedruckt als philo-sophische und politische Schriften zusammen und ebensoviel theologischeStreitschriften wie mathematische oder ökonomische Büchcr."^ Dabeigehört es zu den Merkmalen der wissenschaftlich- und praktisch-theologischenLitteratur, daß sich auf ihr weitaus die meisten ausdauernden Vcrlags-artikcl befanden. Die Gebiete, von denen die Ostcrmeßkatalogc von1765, 1775 und 1785 zusammcn Werke in zweiter Auflage am zahl-