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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

Comptoirkalender, den Kleinen Comptoirkalcndcr, den Schrcibkalcnder.Von den feinen kosteten die teuersten (Historisch-genealogischer und Ge-nealogischer zur sittlichen und angenehmen Unterhaltung), gewöhnlich ge-bunden 1 Rthlr., die übrigen 9 (ohne Kupfer 7), 16 und 8 (ohneKupfer 3) Groschen, natürlich gab es auch elegantere Ausgaben, mitgemalten und geprägten Deckeln, die zwölf bis scchszehn Groschen mehrkosteten; von den ordinären kostete der teuerste, der Vollständige Haus-haltuugskalendcr, gewöhnlich gebunden 9, der Schreibkalendcr 6, von denübrigen zwei 5, einer 2^, zwei 1 Groschen.^ Hier in Preußen , wodas Kalendcrwesen im Jahre 1700 als Monopol der Societüt derWissenschaften übertragen worden war, war man auch dem Kalcnder-unwcsen mit Ernst zu Leibe gegangen. Es war nicht der erste Versuch;im Jahre 1666 z. B. wurde in Württemberg , weil neuerdings die Ka-lender mit vielen unnützen Diskursen, übel begründeten Erzählungen undallzufreyen, so Wohl von hoher ?otöiitatcn todtfällen, alß Vom Kriegund politischen Händeln erdichteten Weyssagungcn" und sonstigemGe-schwätz" erfüllt seien, nur die bei Joh. Wehrich Nößlin gedruckten er-laubt, während alle andern nur nach besonderer Revision und Censurdurchgelassen werden sollten.^ Das preußische Kalender-Patent vom10. Mai 1700 gab als Ziel der neuen Einrichtung die Abstellung derungeziemenden Lügen Historien , nichtigen Weissagungen, auch schand-bahren Gespräche" an. Freilich konnte der von der Societüt heraus-gegebene Verbesserte Kalender den geineinen Mann nur allmählichder altgewohnten Regeln zu entwöhnen suchen;dem gemeinen Mannzu gefallen", und damit sietunfftig auff die Probe gestellet werdenkönnen, und aller Ungrund endlich einmahl durch die Erfahrung abge-than werde", behielt auch er die Angabe der nach astrologischen Regelnzum Baden, Schröpfen, Aderlassen, Purgieren undArtzeneyen" sonderlichguten Tage und der bösen Aspekte (Ende Februar drohte es mit Haupt-weh und für die Cholerischen mit Schwermütigkcit, um Johannis hattensich die Wahnsinnigen und zur Schwindsucht Neigenden vorzusehen u. s. w.)bei. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird der Ruf nachverbesserten Kalendern allgemeiner, und wir hören ihn aus verschiedenenGegenden Deutschlands . In den Jahren 1754/55 erwog man inZürichs eine Kalendervcrbesserung. Die auf Veranlassung des Decansentstandene Eingabe eines Pfarrers Elias Balber über die Verbesserung