Vcrlcgeruntcrnehmung, Autorengewcrbc,
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linge. Der Verleger „bestellt die Arbeit, wie dc.r Manufakturist einStück Zitz bestellt, nach Form, Gestalt und Güte. Diesen allmächtigenBefehl befolgen die Fcdcrmänner ganz pünktlich". Das gelte zunächstvon der geringcrn Sorte der Schriftsteller; es gebe aber auch einebessere Sorte, die von den Matadors unter den Buchhändlern, dengroßen Meßfabrikanten, fast ebenso mit sich handeln lasse. ^ Fürbares Geld, hieß cö, findet jeder Verleger sogenannte Gelehrte, diesich in seine spekulativen Pläne schmiegen.^ ^ war eine Erscheinung,in ihrer Ausdehnung so neu uud auffallend, daß gute Schriftsteller, ge-kränkt in dem Gefühle der Würde ihres Standes, laut ihre Empörungdarüber aussprachen. Der Buchhändler der gnädige Herr des Schrift-stellers! Mit lebhaftem Unwillen sprach Ehlers (1784) es aus, daßsogar Gelehrte von Wert und Ausehen ihrem Verleger gestatteten, öffent-lich zu sagen, er habe ihnen das Buch zu schreiben „aufgetragen", auchselbst oft von solchen Aufträgen redeten. „Der Schriftsteller", fuhr erfort, „mag allenfalls von den Landcsregcntcn dergleichen Aufträge au-nehmcu, muß aber nicht die Verleger es gönuermäßig bcstimmeu lassen,was er schreiben solle. — Ebenso wenig muß für Schriftsteller vonWerth und Ehre die Redensart vorkommen dürfen, daß ein Verlegersie habe zu sich kommen lassen. Ist der Verleger ein Mann von vielempersönlichem Verdienst: so kann der Schriftsteller gerne ihn als einensolchen ehren und zu ihm gehen, aber sich wie einen Untergeordnetenrufcu lassen.muß er nicht, wenn er nicht ein niedrig gesinnter Mannist." Ein solcher von einem ruhigen und besonnenen Manne öffentlicherhobener Protest zeigt deutlich, in wie weitgehendem Maße sich derVerleger der Herrschaft über den Schriftsteller bemächtigt hatte. Als dervorhin erwähnte Moritz mit Campe über ein die römischen Altertümerbehandelndes Werk abgeschlossen und sich ausdrücklich vorbehalten hatte,es nicht nach „Vorschrift", sondern nach eigener Idee auszuarbeiten, be-drängte ihn Campe nachträglich wiederholt, schon im voraus auf Campes„Schadloshaltung" für den Verlust bedacht zu sein, den dieser habcuwerde, wenn Moritz mehr als bloße Darstellung geben wolle, dennseine eigene „phantnsircndc Philosophie" werde es zu Makulatur machen.Moritz warf ihm Vorschüsse samt Zinsen vor die Füße, gab sein Werkeiner Berliner Handlung in Verlag und stellte diese allen „Muth undHeiterkeit beim Schreiben" erstickende „Herabwürdigung" des Gelehrten