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S.Kapitel: Der Büchermarkt.
durch dm Verleger, zum „gedungenen Tagelöhner" öffentlich an denPranger.Fichte sagte im Jahre 1805: „Der Büchervcrlcger bestellt,so wie der Verleger jeder andern Waare, seine Waarc beim Fabrikanten;lediglich darum, damit er Waare auf die Messe bringen könne; er er-handelt auch wohl zuweilen unbestelltes, und bloß auf Spekulationverfertigtes Gut". Der Fabrikant ist der Schriftsteller, der da schreibt,damit geschrieben sei. ES ist auch gar nicht zu begreifen, sagt Fichteweiter, warum der Bücherfabrikant vornehmer sein sollte, als jederandere Fabrikant. Vornehmer! Da der Luxus, den er befördert, fastschädlicher ist als jeder andere Luxus, ist er vielmehr weit geringer.„Auf das Urtheil des Druckers, welches ja lediglich ein Urtheil überdie Verkauflichleit oder Nichtvcrlüuflichleit der Waare zu seyn vermag,wird ohne Zweifel kein Werth gesetzt werden sollen." ^
Groß war die Aufgabe, die hier dem Buchhandel erwuchs, erhebendfür den, der sie erfaßte in jener eigentümlichen Weise, die den produk-tiven Verleger ausmacht, und die sich nicht erlernen läßt, sondern eineGabe der Mutter Natur ist: mit einem halb instinktiven Verständnis,und zwar, worin das gewissermaßen Geniale besteht, einem mehr anti-cipierendcn Verständnis, man möchte sagen einem anticipicrcnden Gefühloder einer Art Intuition des Bedürfnisses, verbunden mit einem klarenuud nüchternen geschäftsmünnischcn Blick und dein richtigen Blicke fürdie richtigen Kräfte der Ausführung; und dieses Verständnis, diese Lustan der Unternehmung, dieser Trieb, dem Publikum das Richtige undNötige zu bieten, in einer vollkommenen organischen Einheit mit demTriebe nach Gewinn, und den Menschen erfüllend gleichsam bis in dieFingerspitzen, erregend und aufregend, vergleichbar nur etwa dem künst-lerischen Trieb und Drang.
Von einem solchen Wirken des Verlegers merken wir freilich weniggenug, und wenn der damalige Vcrlagshandel seine Verdienste um dieLitteratur pries, so war es noch bloß die Seite der materiellen Opfer,die er dabei hervorhob. „Landslcute! —" ruft Wilhelm Fleischer imHinblick auf Archenholz' Geschichte des Siebenjährigen und Schillers Geschichte des Dreißigjährigen Kriegs aus, „die ihr diese ücht vater-ländische Edelgesteine zu schätzen wisset — blickt auch dankbar auf ihrePfleger, die verdienstvollen Männer: Spcuer in Berlin , und Göschenin Leipzig . Beide erschöpften daran ihre Kraft auf eine nie belohnbarc