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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

Schreiben um des Schreibens willen.^ Dem schriftstellerischen entsprachdas buchhttndlcrische Gewerbe, das Verlegen um des Vcrlcgcns Witten .Die Jugend und damit die Größe und Rührigkeit, aber auch, in ihrereigentlichen Breite, die Unselbständigkeit und Armut der deutschen Litte-ratur; das Professionelle des Schriftstellers; das Unternehmende desVerlegers: alle diese drei Seiten vereinigen sich in der Herrschaft derÜbersetzung, die schon frühzeitig als vornehmliches Gebiet der Verlegcr-untcrnehmnng bezeichnet wird.

Es hat oft Gelegenheit zu einem guten Buch gegeben, wenn einBuchhändler dem Gelehrten selbst einen Auftrag gemacht hat", sagt einin den 1760er Jahren verstorbener Buchhändler.Eine eilige Übersetzungeines fremden Buchs, ein Auszug aus einer Staats- oder Kriegsgeschichteist oft in kurzer Zeit in großer Anzahl verkauft worden." ^Nicht seltenmachen Bnchhündlcr selbst Entwürfe, was sie gerne für Bücher aus-gearbeitet haben möchten, wozu sie dann gewisse Schriftsteller aussuchenund durch ordentliche Contractc dingen", heißt es bei Pütter;wie in-sonderheit der Fall mit Übersetzungen gar gewöhnlich ist".^ Im Neich-schen Zeitalter erlebte die Übersetzung ihre Blütezeit. In dem AbschnittdesSebaldus Nothankcr", in dem Nicolai (1773) die Büchcrindustrieseiner Zeit schildert, da spricht er fast ausschließlich von den Übersctzungs-manufakturcn, von denen Deutschland mit einerungeheuer großen"Anzahl von Büchern überschwemmt werde. Die Übersetzungen wurdennach ihm fabriziert wie Leinwand und Strümpfe und wie die Liefe-rung von Hemden und Strümpfen für die Armee, so genau wurde dieLieferung der Übersetzungen bedungen, und so genau und richtig auf denTag mußte sie abgeliefert werden.^ Beinahe die Hälfte aller neuendeutschen Bücher waren nach Nicolai Übersetzungen^, und ein Drittelaller Neuerscheinungen Übersetzungen, die aus reiner Manufakturarbeithervorgingen.^ Das Gepräge der reinen Manufakturarbeit erhielt dieseProduktion um so mehr dann, wenn die Arbeit, wie häufig geschah, vonHand zu Hand weiter vergeben wurde. Am üblichsten war das freilichgerade auf demjenigen Gcbiete, auf dem die Übersetzungen mehr vonden Autoren ausgingen, dem theologischen. Ein hochwürdiger Herr botsich einem Verleger zur Übersetzung einer Predigtsammlung oder der-gleichen an, und der Verleger schloß mit ihm ab; und der geistlicheEntrepreneur vergab nun die Übersetzung weiter. Aber auch die Über-