Ausstattung.
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aus einem Stücke hergestellten Fensterscheiben auf Straße und Plätze hin-auszuschaucn begannen. So begann sich dieses Zeitalter der verschnör-kelten Welt des Privilegwcsens zn entringen und es durch glatte undklare vcrlagsrechtlichc Gesetzgebung zu ersetzen, so begann cö mit denzopfigen Gesellengcbräuchcn in der Buchdruckerei aufzuräumen, so schuf esdie modernen buchhündlcrischen Publikationsmittcl der Fachzeitschrift undder exakten Bibliographie, so bemühte es sich, die unmittelbare Übunggeschäftlichen Verkehres straff und zielbewußt zu kodifizieren. Schon inder Geschichte der Handbücher der Buchdruckerkunst spricht sich die Stel-lung des ausgehenden 18. Jahrhunderts in der Geschichte der Buchdrucker-kunst schlagend aus. In den Jahren 1740—1745 hatten Gcßner undHager „die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und Schriftgießerei)"„klärlich beschrieben und ans Licht gcstellet". Das Werk war das Grund-buch eines halben Jahrhunderts geblieben. Jetzt war es veraltet undwurde abgelöst durch die Werke, die Christian Gottlieb Täubel, ein ge-borener Leipziger, der zunächst in Halle thätig war und dann eine, übri-gens unbedeutende, Offizin in Wien gründete, seit 1785 erscheinenließ („Allgemeines theoretisch-praktisches Wörterbuch der Buchdruckcrkunstund Schriftgießerei)", Wien 1805), bis diese dann selbst wieder in denzwanziger, dreißiger Jahren durch andere überholt wurden. Aber eswaren gerade auf technischem Gebiete Anfänge, beginnende Übergänge.Wie bezeichnend ist Göschens ablehnendes Schreiben an Friedrich König ,.als sich dieser, nirgends Entgegenkommen findend, an Göschen als den„einzigen Buchdrucker, der mit Ambition arbeite", wandte! KönigsPresse zielte hauptsächlich auf Schnelligkeit ab, und damit sollte sie eineder größten Umwälzungen im Buchdruck herbeiführen. Auf Göschen,einen der größten typographischen Unternehmer des nachrcichschcn Zeit-alters, machte sie damit keinen Eindruck. „Ihre Maschine wird vieleAbdrücke liefern", schrieb er, „aber nichts Schönes".^ Papier , dasdekorative und typometrischc Gebiet, Schriftcharakter: das waren dieDinge, auf die der allgemeine Fortschritt beschränkt blieb. Über dieGüte des Papiers herrschte allgemein Klage. Nicht zuletzt waren darandie handelspolitischen Grundsätze der deutschen Staaten schuld. Überallwar die Einfuhr von Papier und die Ausfuhr von Lumpen verboten.In Preußen war nur das große holländische Postpapicr davon aus-genommen, in Österreich wurde unter Joseph II. auch seine Einfuhr
Geschichte des Deutschen Buchhandels. III. 22