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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel- Der Büchermarkt.

untersagt. Stark gesucht, wie cs war, wurde das Papier deshalb teurerund vor allem schlechter; borstiger im Körper, unreiner in der Farbe.Ich halte den Nachdruck allerdings für einen Diebstahl", heißt cs ein-mal iu einem Journal vom Jahre 1785;allein ich würde doch einenVerleger nicht bedauern, wenn ein Anderer ihm eine Schrift auf Schreib-papier, scharf und eorrckt nachdruckte, wovon jener die zweite oder gardritte Auflage auf schlechtem Druckpapier hat machen lassen".^ Alsvorbildlich wurden damals z. B. Breitkopf und Reich in Leipzig , Deckerund Unger in Berlin, Dietrich und Vandcnhocck in Göttingcn genannt.^Und namentlich in Süddcutschland arbeitete man an neuen Erfindungen;im Jahre 1765 erschien in RcgcnSburg das erste Buch mit Papier, dasnicht aus Lumpen hergestellt war^; zu Ende des Jahrhunderts stellteeine der sieben Nürnberger Papiermühlen, die sogenannteFichtcnmllhle",sehr schönes starkes Schreibpapier aus Fichten- oder Baumpapier her.^Um die Mitte des Jahrhunderts finden wir besonders im Süden nochzahlreiche Beispiele des alten Buchgeschmacks mit seinem ornamentalenSchmuck der echten Barockzeit: ein behäbiges Klcinquartsormat, einenwortreichen Titel, der, nicht.selten Fraktur uud Antiqua gleichzeitig ver-wcudend, de» Inhalt möglichst erschöpfend umschreibt und mit allemAufwände grober Zicrschrift gedruckt ist, eine große, dem Glatten abholdeTextschrift, zwar nicht schön, aber dem Auge behaglich, oben den Ko-lumnentitel in Schwabachcr, vom Texte durch eine durchlaufende Liniegetrennt, auch die Kapitelüberschriften aus Schwabachcr Schrift gesetztund die Kapitel durch durchlaufende Doppcllinien geschieden; Kopf- undSchlußstöcke und verzierte Initialen die lctztcrn freilich kleiner alsfrüher und der Titel nicht mehr rot und schwarz; fremde Wörter undWurzeln durch Antiqua ausgezeichnet. Dann aber wird das herrschendeFormat das Oktav, nimmt der Wortrcichtum der Titel immer mehr ab,er zeigt einheitlichen oder verwandten Schriftcharakter, die Initialen ver-lieren ihr Ornament und an ihre Stelle tritt eine nüchterne Fraktur,die sich nur uoch durch ihren wuchtiger» Körper auszeichnet, die Buchdruckcrstöcke und Röschen fallen weg. Es sind etwa die achtziger Jahre,in denen der Umschwung deutlich sichtbar wird. In Berlin ^ begannenUnger (1?80fg.) und Wegcncr (1781 fg.) mit der Preisgabe der Titel-vigncttcn und ihrem Ersatz durch die Linie, zu Ende der achtziger Jahrebemerkt Ungcr, daß Leisten, Kartuschen und Finalstöckc nicht mehr oder