Pnpier, Format, Titel, Verzierung, Schrift. ZZ9
doch nur selten gebraucht würden; in Wien wurden sie zuerst vou JosephAnton Jgnaz Edler von Baumeister (1781—1792) beseitigt. In denletzten Jahrzehnten steht an Stelle des alten Buchgcschmacks die moderneEinfachheit fast vollendet vor uns: keine Spur mehr vou ornamentalemSchmuck; an Stelle der alten Vignetten und Stöcke steht die Linie; dieInitialen sind durch etwas fettere Aufaugsbuchstabeu uur uoch auge-deutet. „Wir wollen alles vermeiden, was Schnörkel und Überladungist, und Schnörkel heißt mir in einem Buche alles, was nicht Buchstabeoder Interpunktion ist", schrieb Schiller 1794 an Cotta. Und wiedeutlich spiegelt sich diese Wandlung in der Geschichte der Schrift! EineFraktur aus der Mitte des Jahrhuudcrts und eine Didotschc Antiguabilden die äußersten Endpunkte; sie stehen sich wie Holzschnitt undKupferstich, wie eine derbkrausc Schnitzerei und ein eleganter Guß gegen-über. Gleim und Kleist machten schon den Versuch, die „deutschen" Buch-staben durch die „lateinischen" zu ersetzen: um die Lektüre der deutschen Bücher den Ausländern zu erleichtern.^ Auch von Boviner, Geßner,Ramlcr, I. G. Jcicobi gab es Ausgaben mit lateinischen Buchstaben.Göschen druckte daun sogar deutsche Romane in Antiquaschrift. Einwahrer Haß gegen die deutsche Büchcrschrift zeigte sich im nachreichschenZeitalter. Deninas „I,a krusss littörail«" (Berlin 1790/91) schriebdas Zurückbleiben der deutschen Buchdrucker hinter den außerdeutschenihrer „odst-ination ^ eonssrvsr leurs eÄi'g.etöi'ös Mtliiquss" zu, undes hat wesentlich dazu beigetragen, daß damals in Berlin so viele deutscheWerke mit lateinischen Schriften gedruckt wurden. Im Februar 1798brachten Biesters Berlinische Blätter einen „Vorschlag zur Entführungder lateinischen Lettern aus Staatsgrüudeu" vom KabinettsministerFrh. von Alvcuslebeu. Die Zeit war verliebt in die Tidotschen Lettern.„Jeder junge Schriftsteller wollte damit gedruckt sein" (Jenaische Litte-raturzcitung, 1791, Nr. 12). Sic wurden in Deutschland nachgeschnitten,besonders von Prillwitz in Jena, aber nicht gut; Unger sicherte sich vonFirmin Didot die Zusage, keinem Deutschen außer ihm Lettern zu gießenoder Matrizen zu verkaufen; Breitkopf machte dann ein namhaftes Über-gcbot, aber vergeblich; erst Göschen kam uach Unger in den Besitz echterDidotschcr Lettern (1793). Aber Breitkopf war zugleich der Führer imKampfe zur Verteidigung der nationalen gegen die fremdländische Schrift;mit ihm wirkten in demselben Sinne besonders Campe in Brauuschweig