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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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5. Kapitel: Der Büchermarkt.

und Unger in Berlin . Breitkopf und Johann Friedrich Ungcr schufen beideneue Schriften, in denen sie die Fraktur der Antiqua anzunähern suchten.Freilich war eine wirkliche Verdrängung derdeutschen" Schrift so wieso nicht zu erwarten. Die Verwendung der Antiqua zu deutschvolks-tümlichcn Zwecken wurde vom Publikum abgelehnt, auch Goethe undSchiller standen auf Seiten der deutschen Lettern. Die neunziger Jahrezeigen innerhalb der allgemeinen Mode der lateinischen Lettern schon dieReaktion. Sogar periodische Schriften kehrten zur Fraktur zurück. DasErgebnis war schließlich der Beginn der im ganzen noch heute gültigenScheidung: der Wissenschaft die Antiqua, dem Volkstümlichen die Fraktur.Zahlreiche andere Einzelheiten sind es, in denen sich der Fortschrittzeigt von gleichsam blinder Übung primitiver» Brauchs, altvätcrischcnGeschmacks, vernachlässigter Handhabung zu bewußter Gestaltung neuerAnsprüche und Forderungen des Geschmacks und Gebrauchs. Man ver-langte, die Bücher ohne Jahreszahl erscheinen zu lassen^; man schlugvor, als Bogenkustodcn nicht nur Buchstaben, sondern den Namen desVerfassers und des abgekürzten Titels mit wie es bereits öftersgehalten wurde danebengesetzter Zahl des Bozens zu verwenden^;man wandte sich gegen den alten Gebrauch der ungleich großen Ziffernin zusammengesetzten Zahlen (z. B. 17^8); man führte Klage überAusgaben wie die der WielandschcnGrazien" vom Jahre 1770, diebei kleinem Format gesperrte und so kurze Zeilen hatte, daß man siegenießen mußte,als wenn man Suppe mit Kaffeelöffeln essen sollte".'^Kant veröffentlichte in derMacht des Gemüthes" eine besondere Nach-schrift mit dem Titel:Vorsorge für die Augen in Hinsicht auf Druckund Papier der Bücher"; man beschwerte sich über Bücher, die, wiez. B. Guthrie-Grays Allgemeine Weltgeschichte, bei starkem Umfangohne genügende Abteilungen fast aus einem einzigen Stücke bestanden,über solche, die, wie SteinbartsAnleitung zum vernünftigen Sclbst-denkcn", bei vielen Hundert Seiten Umfang, ganz wenigen Kapiteln undeiner Masse von Paragraphen in den Kolumnentiteln nur die Kapitel-überschriften angaben und keine Zusammenstellung der Paragraphen-Inhaltsangaben hatten^, über solche, die, wie es leider sehr gewöhnlichgeworden sei, die Kolumnentitel ganz wegließenman schlug vor,daß die Verleger nach dem Vorbilde der Franzosen und Engländer be-sondere Titelseiten drucken lassen sollten, daß ihn der Käufer aufheften