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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Die Ccnsurverhültnissc,

Entsprach die Wirklichkeit dem Ideal, das der Monarch entwarf?

Und Joseph gab die Freyheit zu schreiben wider das was Unrechtist, und zu reden was wahr ist vor allein Volk, zu steuern den schäd-lichen Grundsätzen, den Vorurtheilcn, den Misbrüuchen und der Un-wissenheit:

Und auf daß die Wissenschaften desto besser emporwachsen, und sichin seinen Landen ausbreiteten mehr und mehr, zur Ehre des Herrn,und zur Glückseligkeit des Menschengeschlechts.

Und man nannte diese Freyheit die Preßfrcyheit; doch bliebenAufseher, die da bloß verhinderten, etwas dem Drucke zu übergeben,was der Schriftsteller auf seinem Sterbebette selbst bereuen würde."

So steht geschrieben im Buche Josephs im achten Kapitel, Vers23 bis 25. Die Freiheit zu schreiben wider das was Unrecht ist:die Ausbeutung dieser Licenz, in Anwendung namentlich auf die Vor-schrift des Gesetzes: Kritiken, sie mögen nun treffen, wen sie wollen,sollen nicht verboten werden, war das erste, worüber man unter Josephklagte. Schon im Jahre 1782 erklärte ein Philanthrop in derKlagewider Joseph den Ilten", die Personalsatire dürfe nur beiununter-brochenen oder einzeln in der Wirkung fortwährenden, zur Nachfolgereizenden, und der Gesellschaft merklich schädlichen Vergehungen" zuge-lassen werden, als der Strafprozeß gegen den erhabenem Teil der Bürger,der über die Gesetze herrsche und die Macht in Händen habe,. die Unter-geordneten so zu mißhandeln, daß die Leidenden keine Hilfe findenkönnten.^ Im Jahre 1783 führten dieBeyträge zur FrcyburgerPredigcrkritik" und dieFragmente zur Geschichte der Prcßfreihcit imÖsterreichischen Brcisgau" bittere Klage über diese Seite des großenGeschenkes der Preßfrciheit^; und kein anderer als Wucherer bestellte,als er wieder einmal angegriffen worden war, bei seinem guten Freundemit der eisernen Stirn eine SchriftÜber Prcßfrciheit in Wien und ihreWirkungen", deren Grundgedanken die sind, daß der Kaiser alle Kritikenund Pasquille tolerieren ließe, weil er sie verachtete; ob aber auch Pas-quille gegen Staatsbürger zu dulden seien, das sei sehr die Frage;ihre Beantwortung wurde verneint auf Grund des Rechtes des Bürgersauf staatlichen Schutz gegen jede Schädigung seiner bürgerlichen Existenz,aus Gründen des Naturrcchts und der Religion. Bahrdt verfaßte siemit bekannter Fixigkeit; am 12. September 1786 machte der Buchhändler