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6. Kapilcl: Die Censurverhältnissc.
3 Buchhandlungen in einer Woche mehr von dieser Bücher Wciare hiereintreffen, als von diesem Kollegium in einein halben Jahre expedirtwerden kann . . Bücher, die (ohne schädlich zu sein) ihr Interesse vonden Zeit Umständen erhalten, unter welchen sie erscheinen, finden keineKäufer mehr, wenn wir endlich gegen Entrichtung der Taxen die Er-laubnis? erhalten, sie verkaufen zu dürfen. Mancher Gelehrte, mancherRath, der über den alten Schlendrian hinaus sehen will uud muß,braucht zu einer bestimmten, eilenden Arbeit ein Buch. Er verlangtes von uns, wir verschreiben es; aber bis wir es ihm in der vorge-schriebenen Form abreichen dürfen, braucht er es nicht mehr, oder hates von anderwärts erhalten." Das ganze lesende Publikum zieht sichvom Buchhandel zurück. Täglich muß der Buchhändler neue Büchersehen, die in Wien erschienen und von Mannheim nach München ge-kommen sind — während die dem Buchhändler selbst vom Vcrlagsortzugesandten Exemplare auf dem Mautamt oder bei der Censur liegen.„Und wenn wir sie dann endlich nach erhaltener Verkaufs Licenz alsneue Bücher ankündigen, so finden wir statt des Absatzes Hohn Gelächterüber unsre längst vergessene Neuigkeit." Die Buchhändler vertratendamit ganz dieselbe Grnndansicht, die das Censurkollcgium wiederholtMax Joseph gegenüber vertreten hatte, am ausführlichsten in der Ant-wort auf das Signat vom 7. Januar 1775, und die sogar das August-mandat in den Worten: Unterschleif und Einschwärzung zu verhindern,ohne den freien Buchhandel einzuschränken, auf den Lippen führte. Schonjene Antwort hatte erklärt, daß die hausierenden Buchhändler sichganz und gar nicht um das Censurkollcgium kümmerten; seit seinem Be-stehen war damals ein einziges Mal von einem Hausierer ein Paß ver-langt worden; und es sei offenkundig, fuhr der Bericht fort, daß sogardurch Knaben und Mägdlein und Bettelleute die gefährlichsten Schriftenverkauft würdcu und das Volk gierig nach diesen billigen und leicht les-baren Cruditciten griffc. Und nun zum dritten der obengenannten Punkte.„Überhaupt scheint die Natur des Buch Handels damals s^1769) nicht imGeringsten bekannt gewesen zu sein": der Hauptbestandteil des MünchencrBuchhandels ist der „offene Speditionshandel". „Dieß war bisher unsereHaupt Ncchrungs Quelle, denn die Bayerische Lektüre an sich ist so un-bedeutend, daß bei weitem kein eigenes Gewerbe darauf bestehen kann";die Verordnung kennt ihn nicht; der neue Censurzwang, durch den „alle