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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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6, Kapitel: Die CensurvcrlMnisse.

gilt den Wissenschaften selbst." So lange er in einzelnen Zellen ertönte,war er ungefährlich; er war es auch dann noch, alsganze MenschenKlassen, deren politische Existenz größten Theils auf Volks Dummheit ge-gründet war", in ihn einstimmten. Nun aberließen sich selbst Eurekurfürstl. Durchlaucht bewegen, die im Jahre 1769 ergangene CensurVerordnung, die geradehin das ganze Bücher Wesen verdammt, zu er-neuern und in Vollzug setzen zu lassen". Ein verderblicher Schwur undein unheilvoller Kampf.Denn gewiß, wenn in einem Staate ein. . . . auch noch so geringer Wohlstand es dem Volke erlaubt hat,einige Stunden der Noth Arbeit zu entziehen und dem Denken zuwidmen, so wird das Volk hinführo zu allem Ungemach, ja selbst zumHunger Leiden sich lieber bequemen, als zu einer verfassungsmüßigenDummheit. Die unheilbare Disposition zum Denken und Fühlen, diesean sich so gutartigen Fähigkeiten können niemals schädlich oder gefährlichwerden, als wenn sie gleich zusammengepreßten elastischen Körpern, durcheine widernatürliche Beschränkung zu einer schnellen Explosion oder zueiner schiefen Richtung gezwungen werden." Der bayrische Vertilgungs-krieg gegen die Wissenschaften er kann nur mit Zeiten verglichen werden,daGötzen Priester und ihre mächtigen Beschützer, alle Bücher, derenman habhaft werden konnte, vertilgten und verbrannten"; und die Buch-händler scheuen sich nicht, dem Kurfürsten mit Arnobis (^ävsrsus Zsn-tes, lid. III) zuzurufen:Intsieivers sei ixw et pndlieaw vslls sud-merZöis I^eet-ionern, non est Dsos äsksnäers, seci veritatis testiti-eationem inrnere!!!". Man sucht statt der Quelle die Mündungzu verstopfen. Dazu werden die wirklich unsittlichen und irreligiösenBücher nicht durch den Buchhandel vertrieben dafür sorgt die Censur sondern schleichen auf heimlichen Wegen in und durch die Länder,und ihre Wirkung wird desto größer, je strenger die Maßregeln sind,welche man anwendet, um ihnen den Eingang zu wehren". Die imDunkel schleichenden Bücher und die Gedanken der Menschen -dieMenschen sind ja selbst lebendige Bücher" kann die Censur gar nichttreffen; sie erschwert vielmehr nur die Verbreitung der guten Schriftenund unterdrückt den Buchhandel, beraubt also den Staat des einzigwirksamen Mittels, die vorhandene falsche Aufklärung durch die wahrezu bekämpfen.Wissenschaften und Buchhandel versichern sich wechsel-seitig ihre Existenz." Die Sammlungen und Kunstdcnkmäler, die mit