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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Preußische Ceusur unter Friedrich dem Großen.

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Als "Nicolai 1759 den Censor dcr philosophischen Schriften ersuchte, dieCensur derLittcraturbriefe" zu übernehmen, wunderte sich dieser, daßjemand etwas ecnsieren lassen wolle,welches ihm lange nicht vorge-kommen sei". Der König reskribierte wohl einmal,die Ooul,i^vöui<znt,en,raUons i>«wi'iti Mir das Vergangenes, aus bewegenden Ursachenallergnädigst mit dcr in dem Edikt von 1749 verordneten Strafe"zwar zn verschonen, pr » t'ntni'0 aber mit aller Schärfe darauf zuhalten; bei nächster Gelegenheit aber ging es wieder mit derselbenGlimvfiichkcit ab. Gewiß sind Fälle, in denen die vom Edikt auf denDruck ohne vorherige Censur gesetzte Strafe von IVO Nthlru. verhängtwurde, vorgekommen." Und natürlich ficlcn auch soustige Büchcr-vcrbote vor.'^ Diese Einzelfälle, die sich überall und immer ereigne»,sind es aber natürlich nicht, die über den Geist der FriedericianischcnCensur und Büchervolizci entscheiden. Die Zeitgenossen nnd die, dieim letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts aus sein Zeitalter zurückblickten,sind einstimmig im dankbar bewundernden Preise der Preßfreihcit unterFriedrich dem Großen. Er selbst fiel nicht selten den Behörden inden Arm. Dcr Gcneralfistal d'Anieres verlangte 17«!^ vom fran-zösischen Bnchführer Pitra in Berlin die Ablieferung gewisser Bücher;Pitra beschwerte sich beim Könige, und dieser beschickGleichwie alleBücher hier im Lande zu verkaufen erlaubt ist, als muß auch gedachterGeneralfiseal den Suppticanten in seinem Handel nicht stören noch dem-selben unnöthigcrweisc schwer halten". Im Jahre 1775 nahm derselbed'Aniercs Nicolai wcgcn der Censur derAllgemeinen deutschen Bibliothek "in Anspruch. Auf Nicolais Beschwerde wurde der Gcucralfiskal vonFriedrich beschiedcn, daß, da bei diesem ohnedem außerhalb Landes ^inLeipzigs gedruckten gemeinnützigen Werke solche erhebliche Umstände ein-treten, daß die vorgängigc Censur in Berlin wo nicht unmöglich, dochsehr schwer, ja zum Nachteil des Werkes selbst sein dürfte, gegen Nicolaideshalb nicht weiter zu verfahren sei. Zugleich gab erfürs Künftigeznr virselion", daß alle von preußischem Buchhändlern verlegten, aberauswärts gedruckten Bücher einer Berliner Censur um so weniger bedürften,als sie ohnedem an dem Orte des Druckes schon ccnsiert werden müßten/-'Der theologischen Fakultät zu Halle ließ er 1780 den Befehl zugehen,die den Schriftstellern ohnedem äußerst lüstige Ceusur soviel als mög-lich einzuschränken". Die Universität Halle die in dem eben angeführten