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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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«i. Kapitel: Die Censurverhältnisse,

und den Unterthanen die sicherste Bürgschaft gegen die Nachlässigkeit oderden bösen Willen der Beamten und verdient auf alle Fälle geschützt undgesichert zu werden."^ Durchaus ablehnend, zum Schutze deutscherGeistesfrciheit, verhielt sich der Konig auch französischen Zumutungengegenüber. Als Talleyrand 1804 das Verbot des BuchesNapoleonBonaparte " (von Schlabrendorf) verlangte, ließ der König antworten,das Buch jetzt erst zu verbiete», sei lächerlich uud viel zu spät, Libelle,die bei guter Sache vou selbst hinfielen, zu unterdrücken; er liebe undschätze Geistesfreiheit in seinen Staaten, und folglich müsse er sich dieseZumutung verbitten. Zeitschriften ähnlichen Charakters, die bei derFranzosenfurcht kleiner Staaten aus diesen weichen mußten, fanden inPreußen Zuflucht. ,/London und Paris' Weimar , Bcrtuch^ ist wirk-lich vou Herrn Napoleon verboten", schreibt Bertuch im Juli 1804,vom preußischen Adler fdie Zeitschrift wurde nach Halle verlegt^ aberschon in Schutz genommen." ^

Die sächsische Eensur erfreute sich eines so besonocrn Ruhmes, wiesie Prcußeu Friedrich dem Einzigen verdankte, nicht. Sie wird unsmehrfach alsbekanntermaßen streng" vorgestelltund Männer wieWieland und Schiller haben (in den achtziger Jahren) gleichmäßig über sieKlage geführt. Es war zunächst das theologisch-religiöse Gebiet, aus demsie, wie Wielnnd 1785> sich ausdrückte,um hundert Jahre hinter der Zeitzurück" war. Freilich dient dabei natürlich nur das protestantische Nord-deutschland zum Maßstab, und an dessen Spitze marschierte sie gewiß nichtmit Verboten von Werken wie GoethesWerthcr" lJusinuationspatentFebruar 1775))^ oder so lächerlichen Anständen wie dem, daß HofratBöhme 1780 den Druck von Campes Robinson Crusoe nur uuter derBedingung gestattete, daß in der Vorrede Rousseaus Seele nicht aufeinen Fixstern versetzt werde. ^ Wie bezeichnend, daß Göschen 1790 Wie-landsGöttergcsprächc" nicht in Leipzig drucken ließ, sie hier, wie erschrieb, nicht drucken lassen konnte, sondern in Berlin :Unsere Ecnsorenstehen unter einem Collegium, das sie beständig mit Ruthen peitscht."""Dabei war wenigstens der Büchcrkommissar Bel rein formal von einerPeinlichkeit, von der man in Preußen nichts wußte; im September 1767z. B. schreibt er ganz aufgebracht an Reich, daß Dürr gewagt habe,eine neue Auslage von Weißes Liedern für Kinder ohne Censur zu