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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Kleinere mitteldeutsche Staaten.

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Barby hatte die Censur der Schloßprcdiger, in sämtlichen übrigen Drnck-ortcn des Landes für theologische und philologische Schriften, Schul-programmc, Gedichteund dergleichen Schriften" der Superintendentoder erste Geistliche, für alles übrige die Ortsgcistlichkcit, sie hatte aberdie Censur von einem Littcratcn besorgen zu lassen; die Censur in Leipzig oder Wittenberg einzuholen stand jedem frei. Die inhaltlichen Censur-vorschriftcn sind die altüblichcn; sie verbieten außerdem eigenmächtigeStreichungen. Der Ccnsor erhält überall für den Druckbogen (gleich-viel welchen Formats)höchstens 2 Groschen", nur der ProfessorPoeseos in Leipzig und Wittenberg für einzelne Carmina 8 Groschen.Vorher scheint der Satz 4 Groschen gewesen zu sein (z. B. um 1766erhielt der Censor für GellcrtSVorlesungen von der Beschaffenheit,dem Umfang und dem Nutzen der Moral", 2^ Bogen stark, 8 Gro-schen, für Christian Felix Weißes Lieder für Kinder", 4^ Bogenstark, 16 Groschen), die Geschäftsbücher der letzten Jahrzehnte zeigendagegen in der Tat den Satz von 2 Groschen vom Bogen."'" DieBuchdrucker hatten erstens in Dresden, zweitens Leipzig und Wittenberg ,drittens Barby einen Ccnsureid zu leisten, in allen übrigen Orten einAn-gelöbuiß an Eidcsstatt". Daneben erschienen natürlich Spezialreslripte,besonders im nachrcichschcn Zeitalter i so 1786 ein Verbot beleidigenderAusdrücke gegen regierende Herren und Privatpersonen^"', 1791 einsolches von Schinähschriften, durch die Unzufriedenheit und Ungehorsamder Unterthanen veranlaßt werden solle (in Z 7 des Mandats vom18. Januar wider Tumult und Aufruhr), ein Reskript vom 17. April1801 verordnet die Einsendung aller über den Luncviller Frieden han-delnden Manuskripte an das Oberkonsistorium.Büchcrcommissar^war von 1755 bis 1782 Bel, seit 1782 Ernesti, seit 1793 Eck, derals erster ohne eingefordertes Gutachten der Universität eingesetzt wurdeund als Vorsitzender der Kommission allgemein geschätzt war.

Eine sehr weitgehende Freiheit genoß die Schriftsteller- und Ver-lcgcrwelt im allgemeinen in mehreren der kleinen mitteldeutschen Staaten,in den thüringischen Ländern, Anhalt ; diese Staaten werden in denzeitgenössischen Broschüren immer wieder in diesem Sinne genannt. Eswar eine begreifliche Erscheinung, daß, während der fruchttragende Ver-lag in starkem Maße von den bedeutenden Städten der großen Staatenangezogen wurde, die kleinen, kräftiger staatlicher Rcprcssivmaßrcgeln der