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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Ostsecprovinzcn,

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man nichts von einem Bücher-Eensor mehr. Das Zollamt, wenn esnur den für Bücher zn erhebenden Zoll erhalten hatte, bekümmerte sichum ihren Inhalt nicht weiter." Nur vereinzelte Fälle ereigneten sich,in denen sittcngcführliche Schriften zurückbehalten und bei Gericht ein-geliefert wurden. Der Bücherzoll wurde von Katharina sogar ganzaufgehoben. Ähnlich wie es in Österreich der Fall war, so wurde hierder durch die Revolution vcranlaßtc Umschwung noch unter Katharina(f 17. November 1796) vorbereitet und unter ihrem Nachfolger, Paul I. «ermordet 23. März 1801) vollzogen. Die der Josephinischen ent-sprechende und von Katharina im Jahre 1783 gestattete freie Errich-tung von Buchdruckcrcicn wurde verboten, und die Privatdruckereienmit Ausnahme der mit besonderer kaiserlicher Erlaubnis errichteten,wurden aufgehoben; in Petersburg, Moskau, Odessa und Riga sowiebeim Radziwillowschcu Zollamtc wurde je eine Censurbehörde errichtet,die aus einem vom Synod zu ernennenden Geistlichen, einem vomSenate zn ernennenden Zivilisten und einem von der Akademie der Wissen-schaften und der Moskauer Universität zu ernennenden Gelehrten be-stand. Die eingeführten Bücher und periodischen Schriften unterlagengenau derselben Eensur wie die im Lande gedruckten, ebenso die Kataloge.Natürlich gab es auch in den übrigen Städten (z. B. Reval, PernmnEensoren. Ein Incisx libroi'uni xroliidiwrnw bestand nicht, nur Büchergewisser Verfasser (besonders Voltaire, Archcnholz, Rousseau ), sowie alleseit der Revolution in Frankreich gedruckten und die von der öster-reichischen Eensur untersagten Schriften wnrdcn allgemein verboten. Allenicht nur öffentlichen, sondern auch privaten Bibliotheken in Stadt undLand wurden untersucht, die crstcrn zum Teil versiegelt. Auch die Buch-läden uud Leihbibliotheken in Riga und Reval waren mehrere Wochenhindurch versiegelt; in Riga wurden eine Buchhandlung (Bornwasseriund zwei Leihbibliotheken (DicrmS, Boldt) geschlossen. BuchhändlcrischeGeschäftsschreiben, in denen auf die Aussicht hingewiesen wird, daß diehereinkommenden Sendungen zum Teil verbrannt werden, der Geschäfts-verkehr deshalb auf die mit der größten Vorsicht selbst bestellten Schrifteneingeschränkt wird (auch Journale wurden nur stückweise in Rechnunggenommen), die Verzögerungen des Verkehrs beklagt werden, geben eindeutliches Bild von den einschlägigen Verhältnissen. Im Jahre 1800wurde die Sperre, weil durch Bücher und Musikalien französische Briefe