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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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6. Kapitel: Die Censurverhältnissc.

eingeschmuggelt worden seien, noch verschärft, indem seitdem Bücher nurnoch mit besonderer und ausdrücklicher Erlaubnis des Monarchen ver-schrieben werden durften.Es sind uns nunmehr alle Schätze auslän-discher Gelehrsamkeit verschlossen", heißt es in einem Schreiben aus Peters-burg vom 17. Juli 1800; in den Buchhandlungen Esthlands und Livlands ,schrieb man von dort, befänden sich fast nur noch elende Romane, Schau-spiele, Gedichte, Predigten und Schulbücher; deutsche Buchhändler gaben,von den Verfolgungen der Censur gezwungen, ihre Geschäfte auf; Friedrichging aus Äcbau nach Mcmcl, Harttnoch gab sein Rigaer Sortimentauf und verlegte sein Verlagsgeschüft nach Leipzig (1803). Die Er-mordung Pauls war unter solchen Umständen für den deutschen Buch-handel eine Wohlthat.Wir waren von dein übrigen Europa wie ab-geschnitten und die Buch-Läden waren so gut wie geschlossen, weil sieversiegelt wareil. Brodlosigleit brachte in mancher Stadt, wo dergleichensind, den thätigen Buchhändler in eine Art von Verzweiflung. Gott segneAlexander I. , der uns die Menschheit wieder gab!" Schon im Jahre1801 wurde die Eiufuhr der Bücher uud Zeitschriften nach dem altenTarif von 1782 wieder hergestellt, mehrere Lcscgcsellschaftcn, die sistiertwaren, kamen wieder in Gang, starke Vcrschreibuugen wurden wiedergemacht; die Censur kam an die Civilgouverneure, die sich dazu derVolksschuldirektoren bedienen sollten, die übrigen Censureinrichtungen inStädten und Seehäfen wurden aufgehoben.

Wie hat die deutsche Censur auf Buchhandel und Litteratur ge-wirkt? Es waren zunächst allgemeine Gründe zeitloser Natur, die sichihrer Wirksamkeit entgegenstellten. Das war erstens die Schwierigkeit,der mißliebigen Bücher habhaft zu werden.Welches Buch die Zensurmit Recht unterdrücken würde", heißt es in einer damaligen Broschüre,das kommt ihr nie unter die Hände." "° Es sind zweitens die wohl-bekannten Konsequenzen des ewig wirkenden^ilimur in vet-iwm".Man kann sich gewiß darzu verlassen, daß kein Buch oder Schriftmehr Käufer anlocket, als wenn es in den öffentlichen Blättern, beyeiner ansehnlichen Geldstrafe zu verkaufen verbothen wird: denn manargwöhnet gleich, da muß die Wahrheit stehen, sonst hätte man nichtconfiscirt", schreibt ein anderes Büchlein.^" Auch die Regierungen habengrade dort, wo man eine recht wirksame litterarische Bevormundung an-