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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Kapitel: Die Ccnsurveehaltnisse,

können bei der ganzen Verfassung deö unharmonischen Rcich^systems,bey der Trägheit, Ohnmacht und Eigennutz so vieler, und an Könnenund Wollen so sehr verschiedenen großen nnd kleinen Stände, bey derganzen Beschaffenheit, Politik und Jndcpendenz des Buchhandels, beyder Frcyhcit nnd Frechheit so vieler Schriftsteller und bei der unersätt-lichen Leselust aller Stände gerade so viel helfen, als der bekannte Vor-schlag des Generals von Kyau: daß man die Wiesen pflastern solle,damit ihnen der Maulwurf keinen Schaden thun könne."'''^Diegroße geistige Mittheilung, die durch die Druckerpressc gefördert wird",ruft der Verfasser desCremutius Eordus",ist im Ganzen auf keineWeise mehr zu hemmen. Und wenn es auch hier und da einen« kleinenTibcrius einfällt, ein Buch, das Gewissensbisse verursacht, verbieten undauch wohl verbrennen zu lassen, so hat es damit keine Gefahr; der be-nachbarte Herr Vetter, der Erbvcrbriidcrte und Erbvcreiuigte, nimmt sichschon gern solcher vertriebenen geistigen Productc au. Die Presse vonFrankfurt und Leipzig , von der niemand weiß, wo sie steht, ist für Teutsch-land, was Holland für die ö Welttheilc ist." ^ Deshalb war die Censurin Deutschland zuerst und im ganzen eine Belästigung, ja Mißhandlungeinzelner Autoren, eine Behelligung, unter Umständen Schädigung derBuchdruckern, in einzelnen Fällen eine Schädigung des Verlegers undin den großen süddcutschcu Gebieten, die weite geschlossene Länderstrcckeneiner gleichförmig beaufsichtigenden und absperrenden Aufsicht unterwerfentonnten, eine Hinderung für den Buchhandel, sich so zu entfalten, wie eres sonst im Stande gewesen wäre, eine allgemeine Nicocrhaltung der perio-dischen Presse, nicht aber eine Verstümmelung der deutschen Litteratur,wie sie sich in Büchern und Broschüren auslebt. Johann JacobMoser spricht 1772 im Gegensätze zu derunumschränkten, wilden,unbändigen und zügellosen englischen" von deralt-Teutschcn, herkömm-lichen, und unschädlichen, Freyheit der Presse" und schließt:Wannein Landesherr die Censur zu hoch treibet, und die Freyheit zu schreibenzu viel einschränket; so gewinnet er nichts weiter dabey, als daß erseinen Untcrthanen das Brodt entziehet, und veranlasset, daß dieSchriften andcrwürtshin zum Druck versendet werden, wo eine billig-mäßige Censur statt findet."^ Das ist auch soust häufig ansgcsprocheuworden, und Fichte sagte in seinenReden an die deutsche Nation ":Und so fand denn bei manchen Einseitigkeiten und Engherzigkeiten der