Der Nachdruck in der Wahlkapitulativn Leopolds II.
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preußischem Lcgationsrat in Regensburg ; und es war der Zeitpunkt desRegierungsantritts Kaiser Leopolds II., der, wie für die deutschen Kur-fürsten zur Verschärfung der Zensur, so auch für den deutschen Buch-handel in der Person des preußischen LegationSrats gleichsam die Breschedarbot, durch die man in das so schwer zugängliche Innere reichsgcsetz-licher Kodifikation eindringen wollte. Zu den Hauptpunkten, die in derLapituIMo eaesg-re» einem neuen Herrscher zur Pflicht gemacht wur-den, gehörte- seit der Wahlkapitulatiou Karls V. der- die Koinmerzieu zuWasser und zu Land nach Möglichkeit zu befördern, gegen alles, was siesperren oder hindern könne, Vorsehung zu thun und die Attentate, durchdie ihnen Nachteile zuwachsen könnten, abzustellen. Der Versuch konnteunternommen werden, den darin ruhenden Schatz eines für das ganzeReich gültigen Nachdrncksocrbots endlich zu heben und ihn dem Wahl-vertrng in besonderer Fassung einzuverleiben.,
Die Nachdrucker arbeiteten den neuen Gedanken sofort nach Kräftenentgegen; und nicht nur sie, sondern ein zahlreiches Kontingent auchehrenwerter Rcichsbuchhändler, die durchaus keine Nnchdruckcr waren,brachten die allgcmciucu Beschwerden der Reichsbuchhäudlcr gegen Leipzig und die Leipziger Messe vor, die ihuen die Ausschaltung des Nachdrucksals des Werkzeugs der „Coueurrcnz" gefährlich erscheinen ließ, weil siedie Übermacht der Sachsen steigern mußte. Andere, auch norddeutscheBuchhändler fürchteten, wenn der Nachdruck ausgerottet würde, so würden„die Buchhändler noch Colportcurs der Gelehrten werden sollen". Dazukamen die Stimmen namentlich süddeutscher Politiker; da sieht mau deu Preußcu, hieß es; der will ein Kaiserliches Reservat ausrotten, daswird der Wiener Hof nun und nimmermehr zugeben! So äußerten sichStaatsmänner, uud politische Krähcu schrien es nach.^
Daneben war eine breite Strömung vorhanden, die den RegeuS-burgcr Gedanken in sich aufnahm; aber ein unverkennbarer Zug derResignation charakterisierte die allgemeine Stellung des deutschen Buch-handels in dieser Angelegenheit. Indessen gab es immer Männer genugvon der impulsiven Natur eines Göschen, die sich kräftiger erwärmte«;es bildete sich eine buchhäudlerische Assoeiatiou, die die dargebotene Handannahm und sich ihrer auch zur Abfassung der an die Kurhöfe zu rich-tende« Vorstellung bediente; zu ihrem geschäftlichen Mittelpunkt machtesich Bertuch in Weimar, der Freund Göschens und der Weimarer Klassiker.