Der Nachdruck in dcr Wahlkapitulation Leopolds II.
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— vorzuschlagen. Die Hofstclle stellte das Billet dcr Studicnkommissionzu. Diese fand es indessen ratsam, von dein strikten Wortlaut und Sinndes königlichen Befehls abzugehen. Sie beratschlagte nicht über -dieMittel, wie der Nachdruck abzustellen sei, sondern untersuchte, ob er ab-zustellen sei oder nicht. Die Mehrzahl der Mitglieder war gegen dieAbstellung des Nachdrucks; darunter auch Michael Jgnaz Schmidt, derweitbekannte Verfasser der „Geschichte der Deutschen", der er seine Er-nennung zum Direktor des Haus- und Staatsarchivs in Wien ver-dankte. Schmidt erklärte, der Nachdruck sei das einzige Mittel, dieInsolenz der sächsischen Buchhändler zu zähmen, der Weltgcistlichc Strat-mann, daß ohne den Büchernachdruck keine Bibliothek in der Welt Hütteentstehen, sich vermehren und erhalten können. -Die Verteidiger des Nach-drucks siegten, trotz der entgegengesetzten Bemühungen Birkenstocks,Greiners u. a.; Sonnenfcls war leider nicht in Wien anwesend; dieKommission verfaßte ein Gutachten — das der König eigentlich gar nichtverlangt hatte —, in dem der Nachdruck in Schutz genommen wurde,und ließ es, indem sie die Angelegenheit den Intentionen des Königsentgegen, der sie nur vom littcrarischen Standpunkt aus betrachtet wissenwollte, als Kommerzgcgenstand behandelte, an die Hofkanzlci gehend
Der königliche Befehl von 12. Juli weckte inzwischen Besorgnishier, Hoffnung dort; man beeilte sich hier, die Bresche auszufüllen, dort,sie zum Sturmangriff zu benutzen. Wilhelm Gottlieb Becker , der spätereHerausgeber des „Taschenbuchs zun? geselligen Vergnügen" und der „Er-holungen", seit 1782 Professor an der Ritterakademie zu Dresden unddamals in Karlsbad befindlich, beschloß, auf seine persönlichen Bezie-hungen zu Leopold bauend, die sich bei Beckers oberitalienischcm Aufent-halte geknüpft hatten, den Sturm zu unternehmen, wenn die Leipziger Buchhändler ihn mit den Waffen dazu ausrüsteten. Er forderte unterm5. August Göschen auf, eine kurze Petition zu Stande zu bringen; ererbot sich, sie persönlich in des Kaisers Hände zu legen und durch seinenmündlichen Vortrag zu unterstützen; die Eingabe wurde umgehend ab-gefaßt — sie ist datiert vom 12. August — und, von zwanzig Leipziger Handlungen unterzeichnet, expediert. Sie schildert, wie Wissenschaften undBuchhandel in Deutschland auf dem Punkte stehen, durch den Nachdruckzu Grunde zu gehen. Sic bemüht sich, den Leipziger Buchhandel im vor-aus gegen die Nachdrnckcr zu verteidigen, und bezieht sich dazu auf das