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7. Kapitel: Nachdruck und Verlagsrecht.
In eine Zeit, die in ihrer litterarisch gesteigerten Entwicklung nachklaren und kalten gesetzlichen Vorschriften verlangte, ragte noch tief hineindas alte patriarchalische Verhältnis zwischen Verleger und Autor, in dem derBuchhändler je nachdem mehr der Herr oder der Freund, mehr der Ausbeuterim Habit des Biedermannes oder der wirklich wohlthätigc Geschäftsmannwar. Wie drückend konnte dieses durch kein Gesetz und oft durch keinenVertrag geregelte Verhältnis, bei dem der Verleger jederzeit die Rolledes aus Guade und gutem Willen Spendenden denen gegenüber, vonderen Geistesarbeit er lebte, so leicht zu spielen vermochte, selbst bei imganzen frenudlichen und erfreulichen Verbindungen — oder eben geradedort — empfunden werden! Bürger wohnte bei seinem Göttinger Verleger Dicterich gegen das „wahre Scheingcld" von jährlich 50 Nthlrn.zur Miete, obgleich er selbst zu höherer Miete crbotig gewesen war;der Verleger ließ ihm Bücher, Geld und andere Bedürfnisse auf Kreditzukommen, bewirtete ihn in seinem Hause, machte ihm und den Scinigenvci Gclegcuhcit manches der bekannten „Geschenke der Galanterie". „Aber,lieber Dietrich", schreibt Bürger im Jahre 1791, „deßwcgen kannst dudich doch nicht gleichsam für einen himmlischen Vater halten, der immerund ewig nur ausspcndet und nie etwas wieder dafür empfängt . . .Du bist Verleger meiner Gedd sGedichte^ gewesen, und hast wie ich vonHerzen hoffe und wünsche, guten Bortheil davon gehabt. In Ansehungder ersten Ausgabe hast du mir zwar einen guten Accord gewährt, alleinder Absatz war auch gewiß nicht klein, und ich hatte dich in Ansehungder Stärke der Auflage nicht eingeschränkt. Bey der zweiten Auflagehaben wir wie gute Freunde, die auf ihre Gesinnung gegen einanderbauen gar keinen Accord getroffen. Was davon bis jetzt in meine Taschegeflossen ist, will in der That nicht viel sagen. . . Daß du indessenkeinen geringen Absatz davon gemacht haben müssest, ist wohl dieß Be-weises genug, daß du gleich nach der ersten Messe eine neue Auflage undin diesen Tagen wiederum, wie ich gewiß weiß, noch eine neue hastnachschießeu lassen, ohne mir ein Wörtchen davon zu sagen. Warumdu dieß nicht für gut gefunden hast, das lasse ich dahin gestellt seyn. . .Seit bcynahe zwanzig Iahren habe ich den Musenalmanach mit Beyträgenausgesteuert, die gewiß seinem Absätze nicht nachtheilig gewesen sind.Gegen 15 Jahrgänge habe ich selbst besorgt und der Mus. Alm. hatden besten unter den vielen in Deutschland immer das Gleichgewicht,