480
^d. h. uüt Ausschluß der Druckcrvcrlegcr, Musikalienhändler, Buchbinder,Antiquare, Gelehrten, Königlichen Officiantcn und Juden) ^. Die FirmenBoß, Nicolai und Haude Spcncr standen im Mittelpunkte dieserHandlungen. Man kann sich kaum vorstellen, wie die Bedeutung desFridericianischen Berlins buchhandclsgcschichtlich sich schlagender hätteverkörpern sollen, als in Christoph Friedrich Nicolai . Geboren am18. März 1733 in Berlin als Sohn eines Berliner Buchhändlers, warer eine nüchterne, polymathisch angelegte Natur vou eiserner Energie.Einen, rein litterarischen Leben zustrebend, wurde er 1759 durch denTod seines altern Bruders gegen seinen Willen zur Übernahme derväterlichen Handlung geführt — Neigungen und Abneigungen, die seinganzes Leben hindurch kenntlich bleiben. In der Gründung der „All-gemeinen deutschen Bibliothek" ist seine Stellung in der Berliner Buch-handclsgcschichte konzentriert, in kritischer sowohl wie in geschäftlicherHinsicht. Nicolai war der erste, in dem sich die beherrschende Stelluugdes Verlegers im Mittelpunkte littcrarischer Kritik in großem Maßstabeverkörperte; wobei übrigens geschichtlich zu bemerken ist, daß der Planursprünglich nicht auf Nicolai den Verleger, sondern auf Nicolai denLittcratcn zurückgeht. Wie man namentlich in Süddeutschland in Reichden Typus des Nettohändlcrs haßte, ebenso haßte man ebenfalls vorallem in Süddcutschland Nicolai als den allmächtigen Gebieter einereinseitigen modern-norddcutschcu .Kritik. Die „Allgemeine deutsche Biblio-thek" war buchhändlcrisch für Berlin von solcher Bedeutung, daß manbei Schilderungen der buchhändlerischcn Stellung Berlins besonders aufsie hinwies, und wir erinnern uns aus den Verwicklungen mit derpreußischen Censur, daß dabei für die Frage nach den buchhüudlcrischcuFolgen die „Bibliothek" in erster Linie stand. Als Buchhäudler istNicolai trotz seiner wissenschaftlichen Neigungen, die z. B. Reich ganzfremd waren, eines der größten und anschaulichsten Beispiele des „eigent-lichen" Buchhändlers gegenüber dem Nettohäudler eben nach Reichs Stil.Wie er, mit einer Selbstironic, hinter der sich doch so viel Wahrheitverbirgt, von den „dummen" Büchern sprach, auf die auch er als Ver-leger sein Glück baue, das war für einen Reich trotz seiner Übcrsetzungs-industrie unmöglich. Bei Reich steht die Heranziehung der bestenAutoren durch glänzende Honorare im Vordergrund, bei Nicolai daseigene Unternehmertum. Zugleich aber war Nicolai — wir werden