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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

den Meßkatalogcn zu urteilen, bis 1751 nur unbedeutend, hatte sichaber dann höher aufgeschwungen (Meßkatalog Orell Comp. 1752/60).Konrad Geßner , der neue Gesellschafter, war der Vater des bekanntenJdyllendichters und Radierers, den der Vater vergeblich in den Buch-handel hincinzuzwingen gesucht hatte, und der dann als Selbstverlcgerdas merkwürdige Schauspiel einer vortrefflichen Vereinigung des Dichters,Illustrators und Verlegers in einer Person gab. So rüstig die neueGesellschaft verlegte (Meßkatalog 1761/71), so liquidierte sie dochwir wissen nicht, mit wieviel Recht man dabei an Wielauds Äußerungdenken durfte: die Inhaber der Gesellschaft seiensämmtlich Senatorenihrer Republik und folglich ziemlich indolente Buchhändler geworden";und nun bildete sich die neue Gesellschaft Orell, Geßner, Füßli ^ Comp.(Meßkatalog 1772/95; 1796/99 Orell, Geßner cd Comp., zusammen224 Artikel; seit 1800 Orell, Füßli Comp). Die drei übrigen derbedeutendsten schweizerischen Verlage waren die Typographische Gesellschaftin Bern (Meßkatalog 1762/81), C. A. Serini in Basel (Meßkatalog1778/92) und Ziegler Söhne in Zürich MeßtatalogZ 1789,1802),nächst denen Huber A Comp, in St. Gallen (17891846), die SteinerscheBuchhandlung in Winterthur (17751846), I. Jac. Flick (17741804),Decker (17961804), Joh. Schweighauser (17671799) in Basel ,Geßner in Zürich (17961833), Reutiner Mt. in St. Gallen (1784 1788) und Em. Haller in Bern (17651805) zu nennen sind.

Straßburg , seiner Lage nach, und seit 1681 dem französischenStaate angehörig, Pflegte natürlich in besonderer Weise den Platz- undFernhandel mit französischer Littcratur, wobei die Nachdrucke der fran-zösischen Originallitteratur eine wesentliche Rolle spielten. Dennoch bliebes buchhändlerisch vorwiegend eine deutsche Stadt. Es fällt von Anfangan auf, daß es sich nicht in viel höherm Maße der Herstellung französischerBücher zuwandte, und es blieb so; die meisten der in Straßburg ge-druckten Werke waren deutsche. Zu Ende des Jahres 1777 arbeitetenin den fünf Straßburger Druckereien 37 Gesellen und 4 Lehrlinge, undvon diesen waren mit Ausnahme von dreien aus Luxemburg, Douayund Turin alle aus dem Elsaß, der Schweiz (7) und Deutschland (23,und zwar fast nur aus Oberdeutschland). Geistige und wirtschaftlicheGründe wirkten zusammen, um Straßburg im deutschen Buchhandel fest-zuhalten; nur mit den Deutschen konnten die Straßburgcr changieren;