Schwan in Mannheim . Wachstum des buchhändlerischen Bewußtseins. 517
Weise Stellung. Selbst mit der Herausgabe von Zeitschriften undkleinen Sing- und Lustspielen, zugleich aber auch eines großen Wörter-buchs der französischen Sprache und 46 Heften auch für die Kostüm-geschichtc verdienstlicher „Abbildungen aller geistlichen und weltlichen Ordennebst einer kurzen Geschichte derselben" beschäftigt, machte er seinen Buch-laden und sein Haus zum Mittelpunkte regen litterarischen Verkehrs;von seinem Buchladcn ging die erste Anregung zu der spätern „Chur-fiirstlich Deutschen Gesellschaft" aus, in seinem Hause fand sich einKreis zusammen, in dem auch Goethe wiederholt zu Gaste war; Männerwie Lessing haben für die gastliche Aufnahme in seinem Hause gedankt,und Schwan war es, an den sich der junge Schiller wandte, und mitErfolg wandte, für sein dramatisches Erstlingswerk zu wirken.^
Es ist eine der entwickelungsgeschichtlich bemerkenswertesten Erschei-nungen, mit welcher stolzen Kraft sich in den merkwürdigen letzten Jahr-zehnten des 18. Jahrhunderts das Bewußtsein von der Größe und Würdedes eigenen Standes und Berufes in der buchhändlerischen Litteraturemporreckte. Handelte es sich darum, der Nachwelt Zeugnisse hierfür inmöglichster Vollständigkeit zu sammeln: welch stattliches Buchhändler-brevier ließe sich zusammenstellen! „Der Buchhändler sollte und könnteeiner der ehrenwcrthestcn Männer im Staate sein. Er sollte die Handzur Kultur der Menschheit bieten; er sollte Beförderer aller und jederfür die Menschheit nützlicher Wissenschaften, wahrer Aufklärung undreiner Sittlichkeit sein. Er sollte es sein, dem einst die MenschheitKränze wand, weil er es war, der die Bahn mit brechen half, die zudem Tempel der wahren Wissenschaft führte, und welcher dazu beitrug,um den Nebel der Vorurteile zu zerstreuen, Aberglauben und Unwissen-heit von den Menschen zu entfernen, und es in ihren Köpfen lichter,so wie ihre Herzen für sittliche Eindrücke empfänglich zu machen." ^" „DieBuchhändler", hören wir, „sind die einzigen, die mehr ausrichten undhelfen können, als alle Censuredikte und Bücherverbote."" „Achtungs-werth ist der Stand des Buchhändlers. Viel kann er wirken, wenn dieAbsicht zu nützen und die Ehre die Litteratur auch an seinem Teile zubefördern und zu erhalten, die Richtung -ihm giebt. Er selbst mußseinen Stand achten, er muß ihn ehren durch eigene wissenschaftlicheAusbildung, durch strengrechtliche Grundsätze, durch Solidität."^ Der