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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Buchhandel, wenn er seine hohe Aufgabe rein und treu erfüllt, gehörtunter die allerehrwürdigsten Stände der Menschheit^, hoch erhaben überdem Berufe desgewöhnlichen Kaufmanns". Der Buchhändler hatsich und seinen Beruf vom Standpunkte derBeförderung einer all-gemein zu bewirkenden edlen Geistcskultur" zu erfassen.Unter allennoch so verschiedenen Bewohnern der Staaten das Band der Menschheitfester wieder zu knüpfen, was nur durch Politik, durch Vorurteil undMeinungen locker geworden ist, das ist die große und ehrwürdige Be-stimmung des Buchhandels." °4

Gemäßigter drückten sich Männer wie Göschen aus. Göschenmeinte, der Buchhändler solle, wie er es ja doch in der nüchternenWahrheit der Praxis thun müsse und thue, auch in allen Worten nichtvergessen, daß er Kaufmann sei und Kaufmann bleibe, ein Kaufmann,der mit Waren handle. Allerdings mit den edelsten Waren, und des-halb gebühre ihm an sich unter den Handelsleuten allerdings der ersteRang. Der Buchhändler, sagte auch Göschen, mußvon dem Eifer be-lebt seyn, die Wissenschaften ^zu befördern, insofern dadurch das Wohlder Menschen befördert wird; sonst ist er nichts weiter als einer ausder Classe derer, die etwas zu Markte bringen um Geld zu lösen".Ist er aber von jenem Eifer beseelt, dann ist er mehr, als dieandernKaufleute". °°

Wilhelm Fleischer in Frankfurt a. M. gab folgende HochgeniuteKarakteristik des Buchhandels im Brennpunkte":In Ausbreitung derWahrheit, des Forsch- und Prüfungsgeistes (in den Staatskabinettender Fürsten wie in den Hütten des Landvolks) besteht die Bestimmungdes Buchhandels. Sie trägt den Stempel der Gottheit unverkennbaran sich, alles aufrichtige Bestreben, uns ihr, nach Grundsätzen, mit Ge-wußtsein, zu nähern: macht unsere Würde aus. Die Gerechtsame jenerBestimmung sind unveräußerlich, selbst von der Allmacht nicht beschränk-bar." Der erste Punkt enthält die Bestimmung des Buchhandels, derzweite die Untrüglichkeit dieser Bestimmung sie ist untrüglich, weilder Trieb nach Wahrheit und Forschen allgemeine und notwendige Eigen-schaft des Menschen ist, der dritte denunvergänglichen biblio -polischen Adelsbrief", der vierte die Unvcräußerlichkeit der Gerechtsamedes Buchhandels;denn welcher Alexander hat je einen Buchstaben imBuche der Natur ausgelöscht?". Zwei Männer nennt Fleischer, dieihre