Buchhändlerbildung.
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Würde gefühlt, ihre Bestimmung erreicht" haben: Robert Stcphanus(Etienne) und Philipp Erasmus Reich .
Wie verhielt sich die Wirklichkeit verglichen mit so hohen Idealen?
Nicolai sprach von der Bitdung des Durchschnittsbnchhändlcrsäußerst wegwerfend; er sei ohne Schulbildung und könne kaum dieBüchertitel verstehen.^ Perthes schrieb 1794: „Wo wäre ein Stand,dessen Mitglieder die ihnen nothwendigcn Kenntnisse weniger besäßenund die ihnen obliegenden Pflichten weniger erfüllten, als der des Buch-handels?" „Man darf sich wahrlich hier uicht in die Brust werfen",rief im Jahre 1801 ein ungenannter Buchhändler den Kollegen zu,„und sagen: Wir sind nicht Kauf-Leute!... Freilich seid Ihr es uicht,denn Ihr seid weniger als sie... Erbarm sich doch der Himmel übersolche Wichte, die sich Buchhändler nennen wollen, und kaum eines ge-sunden Begriffs sähig, die unfähig sind, einen Gedanken logisch zu ord-nen, die weiter nichts verstehen, als Zettel zu schreiben, Packete zusignircn, oder etwa, und das noch jämmerlich genug, einen Katalog zu-sammen zu kleben, und hinter her tritt wohl noch oben darein einelender Stümper hin, läßt gedruckte Briefe an die andern Buchhandlungenherum schicken, und ist unverschämt genug, selbst den ersten Buchhänd-lern Bedingungen vorzuschreiben, unter welchen er ihnen seine Novi-täten schicken wolle." °8
Daß die Masse der Buchhändler keine andere als eine gewöhnliche,bis zum 14. Jahre reichende Schulbildung besaß, konnte man dem Buch-händler weder zum Vorwurf machen, noch konnte oder wollte er selbstdarin eine Änderung herbeiführen. In der Gärung der rcformträchtigcnÜbergangszeit des letzten Dcccnniums im 18. und des ersten Lnstrumsim 19. Jahrhundert, wo so viel auch über die Bildung des Buchhänd-lers debattiert wurde, da wurden hier freilich mitunter sehr hochgespannteForderungen gestellt, und das „Neue Archiv" z. B. hat da manchen Un-fug getrieben. Es unterschied eine dreifache Vorbildung: die im „Vor-bcrcitungszustnude", die im Lehrlingsstande und die auf der Akademie.Daß sich der Buchhändler im Lehrlingsstande die praktische Bücher-kcnntnis nach den verschiedenen wissenschaftlichen Fächern, die Kenntnisder Verleger und die Kenntnisse im Buchhalten, Einrichten des Sorti-mentslagcrs, der Metägeschäfte u. s. w. erwerben sollte, war eine natür-liche Forderung, der in der Praxis von selbst überall nachgelebt wurde.