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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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8. Kapitel: Das bibliopolische Deutschland .

Im Vorbereitungszustande aber sollte sich der junge Mann nicht nurdie mechanischen Fertigkeiten des Schönschreibens u. s. w., auch nichtnur die gründliche Kenntnis der deutschen Sprache, der kaufmännischenArithmetik, der Münzen, Geldkurse usw., sondern der Kenntnis derklassischen uud der fremden lebenden Sprachen, der Mathematik, derkaufmännischen Geographie und der Encyklopädie sämtlicher übrigenWissenschaften angeeignet haben, und auf der Akademie sollte er Philo-sophie, Naturrccht, Litterärgcschichte u.s.w. studieren. Leicht zu skizzierendeEntwürfe, die als eine allgemeine Norm für die Allgemeinheit von demgesunden Wirklichkeitssinn des Buchhandels abgelehnt wurden. Wann,fragte man^, soll sich einer das alles aneignen? In der Lehrlingszeit?Wer soll Pakete binden, Ballen schnüren, Memorialc aufsuchen, kol-lationieren, Rechnungen ausschreiben? Als Diener? Da will einer, freiendlich von der strengen Fuchtel des Prinzipals, sichfrei fühlen undamüsiren!" Wichtiger als Sprachkenntnisse, Wissenschaftskunde und dergl.sind ein offener Kopf und Konnexionen. Auch der idealgesinnte WilhelmFleischer, Typus gleichsam der buchhändlerischen Künstlernatur, dessen Herzso aufrichtig für das Gute und Schone schlug, spricht dort, wo er vonder Verwirklichung seiner tiefempfundenen Ideale redet, nicht viel anders;nur daß seine Ansichten und Worte überall von der Wärme durchdrungensind, die allein menschliches Thun wert und würdig machen. ExakteRegeln, meint Fleischer, lassen sich für den Buchhändler nicht aufstellen,weil sein Gebiet unendlich und im beständigen Wandeln und Fortschreitenbegriffen ist. Man kann nur sagen, daß er sich nach denResultateneiner auf Philosophie gestützten historischen Erfahrung, und nach Autho-rität der Weisesten und Beßten aller Zonen und Zeiten" richten müsse.Ein durchdringender Verstand, ein Herz voll Menschenliebe, die philo-sophischen Resultate sorgfältig genützter bibliopolarischen Erfahrung,werden uns so lange sie uns ausnahmslos begleiten gewiß vorgrobcu Abwegen bewahren."''" Stellen wir dem an die Seite, was einSchweizer Buchhändler über Charakter und Pflichten des Buchhändlerssagt, der wohl ungefähr das gerade Gegenteil von Wilhelm Fleischerwar, der glatte und vielschreibende, nicht zum Besten beleumundeteHeinzmann. Er verlangt vom Buchhändler: gesunden Verstand, praktischeKenntnisse, Reisen und Menschenbeobachtung. Der Buchhändler sollkein eigentlicher Gelehrter sein.Seine Erziehung darf nicht schulgerecht