Bildung und Aufgabe des Buchhändlers.
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sein." Die Sprachen soll er nur als Hilfsmittel zu besserer Einsicht inpraktische Dinge lernen. Praktische Thätigkeit und Privatstudium! Dassei die Losung des Buchhändlers. Latein soll er erst im reifern Jüng-lingsalter und nur soweit lernen, um einen lateinischen Titel, einenlateinischen Ausdruck verstehen zu können. Viel wichtiger ist die Lektüreder besten deutschen Dichter. Der Buchhändler bilde seinen Geschmack;er beschästige sich mit ästhetischen Fragen. Die französische Sprache istebenfalls unentbehrlich; aber sie soll nicht grammatikalisch, sondern durchLesen und Abschreiben erlernt werden. Der Buchhändler soll sein Publi-kum und dessen Vielseitigkeit beurteilen können; er soll die Schrifstellerder Vorzeit und der Gegenwart kennen." Kenntnis der praktischenGeschäftsführung nnd Kenntnis der Menschen und ihrer Bedürfnisse;die notwendigste Kenntnis der für den deutschen Buchhändler wichtigstenSprachen; Privatstudium, so viel es die Zeit erlaubt, je mehr, destobesser; dazu ein „Herz voll Menschenliebe": diese Zeichnung der Auf-gabe des Buchhändlers durch Buchhändler selbst ist gewiß richtig undgut. Nach diesem System ist der groß geworden, dessen Name, wennwir die Person des Buchhändlers also schildern hören, uns allen aufder Zunge liegt: Friedrich Perthes . Wie er, so gehört Göschen zu dengroßen Meistern und Mustern, die von Anbeginn nichts als Buchhändlerwaren und sein wollten, reiner Sortimcntcr ursprünglich der eine, reinerVerleger der andere. Beide traten, arme und mittellose Waisen, mit15 Jahren in die Lehre, verdankten das, was sie wußten und wurden,nur der eigenen Arbeit in den Stunden, die das Geschäft übrig ließ:Perthes saß als Lehrling bis tief in die Nacht über den Büchern,Göschen hörte in Leipzig Vorlesungen; und den Fäden, die sie zu derWelt der Autoren und des Publikums hinübcrspannen. Männer beideder neuen Zeit, im nachreichschen Zeitalter auftretend; und es ist nichtzufällig, daß solche uns dabei entgegentreten. Wie übertrieben, hoch-fliegend zum mindesten jene Schilderungen waren, von denen wir obennur eine kleine Blütenlese gaben: sie entsprechen einer neuen Stufe derZeiten und wären noch im Reichschen Zeitalter unmöglich gewesen.Wärme und Klarheit; Tiefe und Weite des Bewußtseins; man kannauch mit einem Worte sagen: die Wucht des Fühleus und Denkenstrennt das Zeitalters der Revolution von dem Friedrichs des Großen.Man mag alle die Persönlichkeiten überblicken, deren volle Wirkungszeit