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wie man damals sagte, die unter cmderm mit großem Lärm eine Zeit-schrift ankündigten, die keine anonyme oder Pseudonyme Anzeige, Be-sprechung u. s. w., eine Kritik der Kritik enthalten uud Preise von 50bis 100 Dukaten für die Entdeckung jedes verkappten Ncccnsenteu zahlensollte"', soll kein besonderes Gewicht gelegt werden. Indessen warendie Klagen über die Ausübung des kritischen Amtes sowohl in formellerwie inhaltlicher Hinsicht allerdings sehr allgemein, nnd selbst ein Blattwie der „Hamburger unparteiische Correspondent" war dadurch verrufen,daß er Ncccnsioncn auf Bezahlung anfertigen und einrücken ließ."^Der „Rcichsanzcigcr" machte gelegentlich auf die Parteilichkeit der „Hören"aufmerksam, die sich darin zeigte, daß gewisse Schriften, vor allem diebei Göschen erschienenen, auf der Stelle besprochen, und zwar empfehlendbesprochen wurden, während die Besprechungen anderer Jahr und Tagauf sich warten ließen. Das war aber kaum etwas so gar Auffälliges.„Die Buchhändler haben immer Leute an der Hand, die ihre Waareanpreisen müssen." Schiller, der Idealist und vollendete Geschäfts-mann, ließ in der „Jenaischcn Allgemeinen Litteraturzeitung" die Hefteder „Hören" von Referenten besprechen, die direkt von Cotta, dem Ver-leger der Hören, bezahlt wurden, ließ sich die bestellte Ware im Manu-skript zuschicken uud stimmte sie auf den nötigen Ton der Unpartei-lichkeit. „Loben wollen wir uns nicht für die Langeweile, da mau demPublikum doch alles vormachen muß", schreibt er an Goethe. ^viel weniger ist es zu verwundern, wenn der Geschäftsmann von Berusso handelte.
Der Ansturm der Verleger auf die recensicrcndcn Zeitschriften warso stark, daß man sich hier und da dagegen zur Wehr setzte. Im „All-gemeinen literarischen Anzeiger" von 1798 machte der Rostocker Uni-vcrsitätsbibliothctar seiner Verzweiflung über die vielen Schriften Luft,die ihm zugesandt wurden, damit er sie zum Ncecnsicrcn iu einer dortige»Gelehrten Zeitung unterbringen sollte, und er verbat sich solche Un-beschcidenhcit ganz energisch, selbst wenn die Bücher postfrci gesandtwürden."° Um postfrcie Zuscudung — das Porto betrug zuweilenmehr als der Ladenpreis — mußte der Redakteur öfters ersuchen."''Die Schriftsteller zeigten übrigens ab und zu eine Unbescheidenhcit, diediejenige der Buchhäudlcr in dem angeführten Nostockcr Falle noch über-traf. Mußte sich doch die Redaktion eines angesehenen Leipziger Journals