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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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558 9. Kapitel: Der Horvath-Göschensche Rcformversuch.

buchhändlerischer gegenüber der der Buchhändler. Und der besonneneTeil des Buchhandels war sich auch bewußt, daß er in erster Linie dazuberufen war, auf eine Änderung hinzuarbeiten. Um das Jahr 1780taucht zum ersten mal die Idee eines Verlegerstrciks auf." Das Scheiterngerade solcher Pläne ist gewiß am allerwenigsten verwunderlich; uudwenn die schriftstellerische Welt fortfuhr, znvicl leichte Ware zu produ-zieren, die buchhändlcrischc, sie zu Markte zu bringen: so blieb schließlichnichts übrig als der von buchhäudlcrischcr Seite ausgesprochene nur all-zurichtigc Gedanke, daß das einzig durchschlagende Mittel gegen Über-produktion und Überfüllung die Besserung von Bildung und Geschmackdes Publikums sei/ Aber ganz andere Dinge waren im Spiele. Eswar das einmal die Entwickclung des reinen Verlags, das verführerischeBild des erfolgreichen reinen Verlegers ^, der ganz offenbar nichts zu thunhatte, als ein kleines Anfangskapital aufzunehmen und ein paar ge-lesenen Autoren seine Aufwartung zu machen. Es war zweitens undvor allem die Entwickclung des Konditionssystcms, und zwar iu seinerVerbindung mit dem Geldhcmdcl. Allerdings wurde von der fortschritt-lichen Seite her gerade dem Tauschhaudel die Hauptschuld an der Über-produktion zugeschrieben, und die Mcßrclationen geben öfters als Hanpt-klage die wieder, daß der Haupttcil der Buchhändler zum Tauschhandelgcnothigt" sei, weil nur Leute mit großem Kapital aus die Dauerbeim Nettohandcl bestehen könnten. Aber andrerseits trugen im altenTauschhaudel mit festem Bezug die Buchhändler das Risiko gleichsamauf gemeinsamen Schultern; jetzt dagegen bekam der Verleger, wasim Laufe eines Jahres von remissionsbcrechtigtcn Artikeln nicht abgesetztwar, zurückgeschickt, und der durchschnittliche Sortimentervcrlcgcr, der,je mehr die Zahl der reinen Verleger wuchs, desto mehr zum reinenSortimente? wurde, ward zu einer veränderten Gcschttftswcisc geführt,die, kurz gesagt, sich mehr uud mehr einem bloßen Novitätcnvertricbeanzunähern drohte; und war die ihr Geschäft ganz im unmittelbarenDienste des Publikums ausbauende Sortimentshandtung ohne Vcrlags-zwang, wie das Konditionssystcm sie brachte, ein kulturell wesentlichesErzeugnis neubildender Kräfte, so ließ doch eben dieses System denSortimentshandcl als ein Geschäft erscheinen, das mit geringem Anfangs-kapital begründet und mit geringem Risiko betrieben werden konnte.Auch hier nahm das Gcschäftswcsen dadurch neue Färbungen und Schat-