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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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9. Kapitel: Der Horvath-Göschcnsche Refornwcrsuch.

Prozent, schlechte Zahler sollen keinen Kredit erhalten: als wenn mannicht das Recht hätte, jedem, dem man nur will, die ganze Rechnungzu schenken! Die Fälle sind verschieden. Ich begehe kein Unrecht, wennich aus Gründen, die aus dem Ganzen meines Handels und seiner Ver-bindungen hervorgehen, anders handle; und ich sott das alles, so oftberuhend auf und bestehend in einem gewissen instinktiven Balancierendes Risikos, vor einem Buchhändlcrgcricht analysieren und sezieren undmich von ihm schulmeistern und aburteilen lassen? Die Zahl und dieGröße der Übel, unter denen der Buchhandel leidet, verkennt Nicolainicht. Aber wer kann der Kalamität der Zeiten, der Verschiedenheitdes Geschmacks, dem schnellen Veralten der Bücher abhelfen? Wemkann man verbieten, Bücher zu schreiben, wein, sie zu verlegen? Werkann dem Papicrhändler und Drucker vorschreiben, wie viel er nehmen,dem Verleger, wie viel er geben soll? Wer kann darüber Vorschriftenerteilen, ob einer reiner Verleger werden darf oder nicht? Wer kannverbieten, daß jemand ein Buchhandelsprivileg nachsucht oder eine Buch-handlung kauft?Konnte man alle Schwindler zu soliden Leuten, alleunordentlichen zu ordentlichen und alle über ihre eigne Geschäfte nichthinlänglich unterrichtete Leute zu einsichtsvollen Leuten nmschaffcn, sowäre dies nach meiner Einsicht das einzige Mittel, der Buchhandlungwieder aufzuhelfen. Da aber dieses durch Gcsezze nicht erreicht werdenkann, und am wenigsten, wenn dabei keine exekutive Kraft ist; da michehemalige Erfahrung lehrte, daß Verbindung unter Buchhändlern, welchealle Jahr nur einmal zusammen komm, ohne ein zusammenhängendesKorpus zu sehn, zwar viel Wortwechseln verursachen, aber keinen bleibendenErfolg haben können; so habe ich hier offenherzig die Ursachen anzeigenwollen, welche mich hindern, einer Verbindung von schäzbareu Mäuucrnbeizutreten, deren gute Absicht ich verehre". . .

Die Worte Nicolais verhallten umgehört. Man hat ihn nochmalspersönlich durch zwei Abgeordnete eingeladen; er erklärte, darübersehrgerührt" zu sein, das war aber auch der einzige Erfolg. Seineablehnende Haltung war von mehr als persönlicher Bedeutung, unddarum die Bemühungen der Reformer. Horvath gehörte nicht zu denreinen Verlegern; aber seine Vorschlüge waren vom Verlagsstandpunkt ausabgefaßt. Dem Sortiment soll einerseits der Kundenrabatt verboten, unddein Sortiment soll andrerseits der Kredit erschwert, ja entzogen und der