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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
Entstehung
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608
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698 9, Kapitel: Der Horvcith-Göschensche Rcformtiersuch,

züge einheitlich gruppieren, nnd das that Göschen. Göschen war auchder Verfasser des gemeinsamen Dcputationsgutachtcns. Zu Jubilatc 1803lagen beide Broschüren, von deren Inhalt die Deputation ersuchte, nichtsin das große Publikum gelangen zu lassen, im Druck vor.

Noch einmal unternahmen vor Ostern 1803 die Männer der Re-form den Versuch, Nicolai zu gewinnen. Der Versuch schlug völligfehl; sie erhielten eine Antwort, gegen die das Schreiben vom Jahrezuvor glimpflich zu neunen war. Die Messen sind frei das heißt:es können nicht hundert Buchhändler den hundertundersten zwingen, ihremVereine beizutreten. Man denkt es sich leicht, schreibt Nicolai weiter,durch Aufhebung der Rechnung jeden in denPferch des allgemeinenVereins hinein zu zwingen". Angesichts der auf der Hand liegen-den Schwierigkeit, daß die Vorschrift nicht von der Hälfte der Mit-glieder gehalten werden wird, liebäugelt man mit der Idee, die Be-schlüsse des Buchhändlervereins durch obrigkeitliche Gewalt zur Voll-ziehung bringen zu lassen.Ich (vermuthlich auch alle andern aus-wärtigen Buchhändler) würde aufs kräftigste wider eine solche obrig-keitliche Einmischung in das Innere meiner Handlung protestieren, undwürde alle rechtliche Mittel anwenden, um sie zu verhindern; selbstwürde ich mich an meinen Landesherr» wenden." Er erinnert an dasbuchhandelsgcschichtliche Schicksal der Stadt, die so oft als Beispiel derunheilvollen Folgen obrigkeitlicherEinmischung" dienen mußte, Frank-furts . Er führt den Deputierten zu Gemüte, welche Ideologie es sei,in Leipzig beispielsweise bestimmen zu wollen, wieviel Lehrlinge ein Buch-händler in Preußen oder Baden halten dürfe. Er nimmt aber dieLeipziger noch ganz anders vor. In ganz Leipzig sei überhaupt keinMensch zu finden, der den Sortimentsbuchhandel, vollends einen soweitläufigen und mannigfaltigen" wie den Nicolaischen, zn beurteilenim Stande sei. Es sei zweierlei, ob man einst in seliger Jugendzeitdie Sortimentsbuchhandlung gelernt er ineinte damit Göschenoder ob man sie Jahrzehnte lang betrieben habe. Man solle sich seinenBeitritt ja nicht wünschen. Er würde sich unverzüglich an die Spitzeder Opposition der Sortimenter gegen die reinen Verleger stellen: diebestündige Zunahme der Herren, diebloß das Geld einstreichen" woll-ten, müsse dem Fortgang des Buchhandels die nachteiligste Wendunggeben, und die Sortimentshändler, besonders mehrere kleinere, würden,