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Geschichte des deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft / Johann Goldfriedrich
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Abermalige Ablehnung Nicolais. Das Deputationsgutachten. 609

ungeachtet daß sie richtig bezahlten, von ihnen mitHärte und Stolz"behandelt. Die Nolle eines Parteiführers zu spielen, danach gelüste esihn aber nicht.Ware die Sache ausführbar, so müßten die Buchhändlerin ganz Deutschland unter gemeinsamen Zunftgcsetzcn stehen, die inLeipzig exseutirt würden. Dies ist aber allein nicht möglich, sondern,wenn es auch möglich zu machen wäre, so würde das Übel größer sehn,als alle Bisherige Unordnung." Die Leipziger Messe selbst würde denhärtesten Stoß erhalten. Denn wie Nicolai so dachten genug andere:und wie man uns zwingen könnte, unsre Art, die Handlung zuführen, der Kontrolle einer Deputation in Leipzig zu unterwerfen, wollenwir erwarten". Die Leipziger müssen sehr gereizt geantwortet haben; dennunterm 19. April schrieb Nicolai wieder, er habe niemandem zu nahetreten wollen und nur gemeint: die Reform sei erstens wegen der mangeln-den Exekutivgewalt unausführbar; sie drohe zweitens die srcie zu einerZwangmesse" zumachen; der Buchhändlcrvcrcin maße sich drittens nn,andere zuMaßregeln in ihrer eigenen Handlung zu zwingen"; undviertens: bei träte er nicht. Dieselbe Ouvertüre also, nur verstärkt,mit der die Jubilatemcsse des vergangenen Jahres eingeleitet wordenwar hörbar allerdings, ungeachtet der höflichen Bitte, mit der Nicolaisein Schreiben schloß: es gütigst im Paulino vorlesen zu »vollen, wohlfür eben so wenige Ohren wie damals.

Und wie nahm sich nun das gemeinsame Deputationsgutachtcn aus?Es kommt den Deputierten nicht bei, so erklärt es einleitend, ein neuesSystem des Buchhandels zu crsiuncn; ebenso wenig freilich, dasveralteteSistem des Tauschhandels wieder hcrvorzusuchcn". Ein theoretischesSystem macht in der Praxis das Übel gewöhnlich nur ärger; dasTauschsystem aber ist mit den gegenwärtigen Verhältnissen unvereinbarund würde mit dem Untergänge des größten Teils der Buchhändlergleichbedeutend sein. Also eine Entscheidung zu Guustcn des Konditions-systcms als einer natürlichen Forderung uud Gestaltung der neuzeitlichenVerhältnisse, wie nicht anders zu erwarten war.Der Kaufmann", soheißt es zum zweiten,darf dem Fabrikanten nicht gebieten, was, wieviel und mit welchem Vorthcil er arbeiten soll; und der Fabrikantkann den Kaufmann nicht zwingen, sich mit seinen Artikeln zu befassen,oder ihm vorschreiben, wie er das, was er von ihm genommen hat, wiederabsetzen soll." Also ein Verzicht auf jede Änderung, ja jede Bestimmung

Geschichte des Deiitichen Buchhandels. III. 39