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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
Entstehung
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Trvppau, Laibnch. Verona .

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Um die Zeit, da dieser Vertrag zustande kam, war das König-reich der Niederlande durch die Erhebung der Belgier bereits zu-sammengebrochen. Deutschland hätte ein hervorragendes Interessean der Regelung dieses Streites gehabt, aber der Bund hattekeinen, Österreich und Preußen hatten keinen maßgebenden Einflußauf diese Dinge. England und Frankreich nahmen für die auf-ständischen Belgier Partei, und schließlich zwang ein französischesHeer den König von Holland , sich in den Verlust zu fügen unddas neue Königreich Belgien anzuerkennen. Ans den belgischenThron ward allerdings ein deutscher Prinz erhoben, Leopold vonSachsen-Kobnrg, aber nicht durch deutschen Einfluß oder deutscheWaffen, sondern durch England .

Ans den Kongressen von Troppau (Oktober bis Dezember 1820)und Laibach (Januar und Februar 1821), auf denen die Unter-drückung der auf eine nationale Wiedergeburt Italiens und auf eineReform seiner trostlosen Zustände gerichteten Bestrebungen beschlossenwurde, spielte der österreichische Minister Fürst Metternich die leitendeRolle. Preußen unterstützte ihn, half ihm Rußland für diese anschmachvollen Machinationen wie an traurigen Folgen überreichePolitik gewinnen und den matten Widerstand Frankreichs undEnglands überwinden. Österreichs Truppen haben dann die Be-schlüsse ausgeführt, habendem meineidigen Bourbonen, der vonallen Mitgliedern des Kongresses gleichmäßig verachtet wurde", dieMacht gegeben, den Thron von Neapel durch Handlungen zu ent-ehren, die Europa mit Entrüstung und Entsetzen erfüllten.

Ans dem Kongreß von Verona, Oktober 1822, einigten sichdie drei Ostmächte Nußland, Österreich und Preußen mit Frankreich zu einer entsprechenden Intervention in Spanien , wo das zumKampfe gegen die aufständischen Kolonien versammelte Heer imJanuar 1820 eine Bewegung entfesselt hatte, die den König zwang,die Verfassung von 1812 wieder anzuerkennen. England erhobgegen diese Einmischung in das Verfasfnngsleben der SpanierWiderspruch, ging aber über Worte nicht hinaus. Ein fran-zösisches Heer vollzog die Beschlüsse, und an Frankreich haftet derFluch, den König Ferdinand, über dessen Nichtigkeit und Gemein-heit man am besten mit Stillschweigen hinweggeht, wieder zum ab-