Der Bund. Die Nestnnmtion,
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war, seine Pflicht in so hohem Grade vernachlässigte und dieMänner als Verbrecher verfolgte, die die Sehnsucht nach eineindeutschen Vaterlande nicht unterdrücken und nicht verbergen wollten.
Dazu kam die bereits erwähnte Unfähigkeit des Bundes aufdem Gebiete der äußeren Politik. Die einzelnen BundeSstaatenhatten das Recht, eine selbständige auswärtige Politik zu treiben,Bündnisse mit fremden Mächten zu schließen und Kriege zn sichrenoder Verträge zu schließen, nur nicht gegen den Bund oder einenBundcsstaat. Bon Bedeutung war dies natürlich nur für diebeideu Großstaateu Österreich und Prenßen. Wenn Hamburg mitfremdeu Mächten unterhandelte, um seiue Schiffe gegen die Bar-baresken zn fchützen, so war das nnr das Hilsesucheu eines Klein-staates und zugleich ein Zeichen, wie der Bund seine Mitgliederim Stich ließ und daß er auf dem Gebiete der äußercu Politikschlechthin nichts leistete. Der Bund war völkerrechtlich ein Staat,hatte besondere Finanzen, Festungen nnd ein Buudeskriegswesen.Er konnte Verträge schließen und Krieg erklären — aber seineVersassnng und der Gegensatz der Interessen der Großmächtelahmten ihn fast völlig.
So hatten die Patrioten und Reformer wie beim Abschlußder Friedensverträge, so anch in der Gestaltung des DeutschenBundes eine Niederlage erlitten; nnr in einzelnen Punkten, nament-lich in dem Artikel 13, war ihren hochfliegenden Gedanken überdie Entwickelung der staatlichen Ordnung und des nationalen Lebensein Zugeständis gemacht wordeu. Und diese Niederlage schwächtesie nun auch im Kampfe um die Reform der inneren Verhältnisseder Einzelftaaten. Die Vertreter des alten Absolutismus und derVorrechte des Adels traten als Stützen des Partikularismus, derunverkürzten Selbständigkeit auch der kleinsten Staaten auf undhatten leichtes Spiel, ihre Gegner wegen ihrer gesamtdeutschenHoffnungen und Wünsche als Revolutionäre zu verdächtigen. Zu-dem wußten sie den Kamps für ihre Privilegien iu den Manteleines Kampfes für allgemeine Interessen, sür ein augeblich gött-liches Recht und für eine naturgemäße Ordnung gegeu die verderb-liche» Lasten der Revolution zn kleiden; denn die Restauration derdnrch die Revolution und ihren gewaltigen Erben zerstörten Ord-