106 Reform und Restcmrntwn,
krieges wurde gehoben durch die Erinnerung an die Jubelfeierder Reformation. Die Jugend fühlte den großen Znsammenhangder Dinge. In der Reformation löste sich Deutschland ans dergeistigen Vormundschaft Roms nnd betrat den Weg, ans dem eserst zn einer im vollen Sinne nationalen Bildung und Sprachegelangte, und in den Freiheitskriegen löste es sich aus der Gewalteines romanischen Tyrannen und aus deu Fesseln vielfältigen an-deren Zwanges. Das alles strömte zusammen in den Reden nndin der Stimmung der Jünglinge und Mäuner, die auf der Wart-burg tagten, miteinander das Abendmahl feierten und in festlichenZügen und Akten von Freiheit und Vaterland schwärmten. Obdie eine und andere Rede mehr Begeisterung als Logik und Sach-kenntnis verriet, das hebt die Größe und Wahrheit der Stundenicht ans, das ist ein Schicksal aller solcher Feste. Nach dein Festehaben dann einige Studenten auf dem Berge ein Feuer angezündetund darin allerlei Symbole des Zwanges und der Knechtschaft undTitel von Büchern verbrannt, die im Rufe standen, der Knecht-schaft zu dieueu. Man konnte das als einen Stndentenulk auf- ,fasseu und nicht weiter beachten, oder wenn man es tadeln wollte,daß hier die Studenten ihre Stellung vergaßen und als Kritikervon Dingen auftraten, die sie nicht oder doch nicht ganz verstan-den, oder sich einer Eitelkeit schuldig machten, Luthers Verbrennnngder päpstlichen Bulle und des kanonischen Rechtes nachzuäffen -—so mochte mau sie tadeln oder verhöhnen. Aber man machte einVerbrechen daraus, mau suchte einen Anlaß, in den Studentenden vaterländischen Geist, die Liebe znr Freiheit zu treffen. Diein den Regierungen schon übermächtigen Reaktionäre gaben aberkaum diesen Ton an, so stimmten ihnen nicht nur die Philisterbei, sondern auch manche aus den Kreisen der Reformer. Siefürchteten, daß die gute Sache der Reform nun büßen müsse fürden Übermut der Studenten.
Und iu ähnlicher Weise wurden Worte und Wendungen vonden Turnplätzen mißbraucht. Der alte Iahn konnte seine Zungenicht mäßigen, namentlich wenn ihn eine Parodie oder eine hand-greifliche Wortspielerei lockte. Er war von einem so reichen undtreuen Herzen, daß er die Jugend begeisterte und rührte wie kaum