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Rcfm'm und Restauration.
fluß auf den Zaren auch nicht so groß war, wie er in diesenBriefen und Akten erscheint, uud immer bedroht durch andereRegungen nnd Ansprüche Alexanders, so zeigte er sich doch damals,in den Tagen von Troppau, Laibach und Verona , sehr stark.Kaiser Alexander ging damals mit der Reaktion, und das gab ihrerst den Sieg.
Noch größer und stätiger war der Einflnß seines Wesens undseiner Worte auf König Friedrich Wilhelm III. und einflußreichePersonen seines Hofes. Über Wittgenstein namentlich getraute sichMetternich wie über einen Gehilfen zu verfügen, und über denDirektor des Königlichen Kabinetts Albrecht schrieb er, daß er ein„äußerst wohlgesinuter Manu" sei. „Er hatte bereits in Aachen begonnen, sich mir zu nähern. Hier (in Teplitz ) hat er die letzteSchen in dieser Rücksicht abgelegt. Seine Rolle ist negativ sehrbedeutend, denn er machte es sich zur Pflicht, den König von man-chen unüberlegten Schritten zurückzuhalten." Einflnß ans Preußenzu behaupten, war aber weitaus die wichtigste Aufgabe der Po-litik, vor allem der deutscheu Politik Metternichs , es galt ihm,diesen aufstrebenden Staat zurückzuhalten auf der Bahn, auf derer sich an die Spitze Deutschlands zu erheben drohte. Metternichurteilte wie Gueiscuau, daß Preußen dies erreichen werde, wennes sich den dreifachen Primat der Waffen, der geistigen Freiheitund der guten Verfassung sichere, wenn es also die Reform imGeiste Steins und seiner Freunde vollende, uud um dies zuhindern, nannte er diesen Geist den Geist der Revolution. Beider Strömung der Zeit mochte er dieser Intrigue leicht denCharakter eines Kreuzzuges leihen und auch manche der Besten zuseinem Krenzheere gewinnen, aber entscheidend war, daß er denKönig von Preußen selbst zum Werkzeug dieser gegen Preußengerichteten Politik gewann. Das gelang ihm namentlich durch dieHilfe des schon genannten Fürsten Wittgenstein, der, ohne einepolitische leitende Stellung einzunehmen, das Ohr des Königshatte und mit seineu Verleumdungen nnd Entstellungen erfüllte.Wittgenstein besaß nach Steins Urteil alle Eigenschaften, „umohne Kenntnisse, inneren Gehalt und Tüchtigkeit sich eine vorteil-haste Stellung im Leben zu verschaffen"; er war ein echter Höf-