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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Die Entwicklung der Einzelstaaten 18151840.

hinter sich zurücklassend, die Anwartschaft auf rasches Eindringenin die vielbeneideten, ohne alles Verhältnis überreich ausgestattetenStellen als erste Beamte.

Auch die Armee wurde nen organisiert. Die hannoverschenTruppen hatten sich uuter dein Namen der königlich deutschen Legionoder der englisch-deutschen Legion in Spanien und Frankreich mitRuhm bedeckt. Sie war 1803 durch Werbung zusammengebrachtworden uud zwar von der englischen Regierung, uud hatte imenglischen Dienst, aber zugleich im Kampfe gegen Napoleon undalso auch für Deutschlands Befreiung in den 13 Jahren 248 Offi-ziere und 5600 Mann verloren. Ende 1815 zählte fie noch 782Offiziere, 11 500 Unteroffiziere und Mannschaften und 3560 Pferde.Nach ihrer Auslosung zu Ausaug 1816 wurde von dem Generalvon der Decken, einem Frennde Scharnhorsts, eine hannoverscheArmee von zehn Regimentern zu je vier Bataillonen geschaffen,von denen aber nur eiu Bataillon (die Feldbataillone) bei der Fahnegehalten wurde, währeud die übrigen drei Bataillone aus Milizenbestanden, die nur jährlich zu vierwöchentlichen Nbuugeu zusammen-gezogen wurden. Man sieht, wie hier gewisse Ideen der preußischenReform uachwirkten, ohne zu voller Durchführung zu. gelangen.Die Reiterregimenter wurden aus der englisch -deutscheu Legionübernommen uud umgebildet uud später durch sreie Werbung zudauerndem Dienst ergänzt, da Decken bei der Reiterei die Milizenfür unbrauchbar hielt. Ohue Zweifel wurde diese wichtige Seitedes StaatSlebens mit Sachkenntnis und unter dem Einfluß deskräftigen Gedankens der allgemeinen Wehrpflicht geregelt, aber esgelang doch nicht die großen Schwierigkeiten zu überwinden, diein der Sache gegeben waren. Die alten Legionäre fühlten sichschwer gekränkt, daß man sie zwar erst wie Helden überschwenglichgeehrt, aber dann ihre stolze Schar doch ausgelöst habe, wenn auchdie Reste ihrer Formation in der bevorzugten Garde fortlebten.Ferner gewann das Shstem der Rekrutierung für Garde uud Feld-bataillone bald eine bedenkliche Gestalt, und die Verhältnisse derBesoldung und Beförderung in der neuen Armee waren überaustrübselig. Immer aber ist doch schließlich eine tüchtige Armee aufdiesen Grundlagen geschaffen, und auch sonst gelang manches. So