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nur oder nicht einmal die Größe der ansehnlicheren Bauernhöfedes Landes erreichten, und dem Adel in seiner Masse die wirtschaft-liche Unterlage für die Aufgabe uud Stellung einer wirklichenAristokratie völlig fehlte. Graf Münster beachtete das wenig. Ergewann damals durch eiue iu unerhört grober Forin geführteOpposition gegen Metternich und den von Metteruich begünstigtenDespotismus der kleinen Tyrannen, noch einmal den Ruhm einesVorkämpfers des Liberalismus, aber sein Auftreten war nicht durchernsthaftes Interesse für Reformen bestimmt, wie sie die Neu-zeit verlaugte, sondern durch eine steigende Vorliebe für die an-geblich historischen Elemente deutscher Verfassuugeu. Sie führteihn bald gauz zu Metternich, und bestimmte ihn auch, 1819 dieschwachen Auläufe eiuer Reform, die in der Verfassung von 1314lagen, durch die Verfassung von 1819 zu hemmen, die dem aufden Hofdienst angewiesenen Adel ein noch stärkeres Übergewicht gab,als er schon in den Ständen von 1814—19 gehabt hatte.
Das war um so folgenreicher, als dnrch ein Dekret vom19. Oktober 1818 auch die ProviuziaUandtage neu organisiert undzu einer konkurrierenden Gewalt uebcu den Allgemeinen Ständengestaltet waren, die fast vollständig in der Hand des Adels war.„Die Antichambre will in den Salon!" Mit diesem Schlagwortglaubte Münster das Wesen der Zeit zn treffen und dem glaubteer entgegentreten zn sollen. Indem nun die Verfassung von 1819die Stände in zwei Kanunern teilte, welche im Gegeilsatz zn derStellung der beiden Hänser in England und der Kammern dersüddeutschen Staaten völlig gleichberechtigt waren, und die ersteKammer als eine Vertretung der Ritterschaft organisierte, gabsie dem Adel ein Sonderrecht auf die eine Kammer nnd damit dieMöglichkeit, der Vertretung der ganzen übrigen Bevölkerung, diein der zweiten Kammer vereinigt war, das Gegengewicht zn haltenund jede ihren Interessen unbequeme Reform zu hindern.
Diese Verfassung erregte überall die größten Bedenken, nnddie Majorität der Allgemeinen Ständeversammlung erklärte, daß ineiner solchen Vertretung „der Zweck einer wohlgeordneten Reprä-sentation und wahrer Volksvertretung schwerlich erreicht werde".Der Adel werde sich isolieren und Privatinteressen würden vor-