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Politische Geschichte Deutschlands im neunzehnten Jahrhundert / von Georg Kaufmann
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Preußen, Steuerreform,

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von Persvnenstener und Einkommensteuer darstellt. Duneben wnrdceine Mahl- und Schlachtsteuer und eine Gewerbesteuer erhoben mitmancherlei besonderen Bestiminuugen znr Ausgleichung vou Härten.Hardenberg und Bülow waren an der Aufgabe der Steuerreformgescheitert, und W. von Humboldt , der Bülows Steuerentwurs1817 in der Sitzung des Staatsrats einer scharfen Liritik unterzog,bot auch keiue positiven Vorschläge. Es standen sich die Meinungenüber den Wert der indirekten Steuern gegenüber, sonne über dieEinkommensteuer, vielleicht aber wirkte noch hemmender, daß mannicht den Mut fand, die Grundsteuer durch Aushebung der Exem -tionen uud Beseitigung der härtesten Gegensätze der in den ver-schiedenen Landesteilen geltenden Systeme und der Ungerechtigkeitder vorhandenen Kataster zu heben. Man betonte immer, daß erstein neues Kataster geschaffen werden müsse, ehe an eine befriedigendeReform zn denken sei; aber das; man anch schon vorher die Hanvt-schäden beseitigen und einen leidlichen Zustand hätte schaffen können,das hatte doch die Verwaltung des Königreichs Westfalen gezeigt.

Was schließlich durch die Abgabengesetze von 1820 ein-geführt wurde, war in vieler Beziehung mangelhaft, aber das Landhat sich doch an dies System gewöhnt und mit diesem Systemdas geleistet, was die Not der Zeit forderte. Dazu half freilichsehr bedeutend, vielleicht vorzugsweise der große Erfolg der Zoll-gesetzgebung.

Langsam aber stetig erhoben sich die Städte und in ihnenHandel und Industrie. Berlin hatte 1816 195 000 Einwohner,

1840 über 322 000, Breslau 1811 67 800 Einwohner, 184097 600, die Provinz Schlesien stieg in den Jahren 181946 von2 Millionen auf 3 Millionen und in ähnlicher Weise hoben sichandere Orte uud Provinzeu. Die Einnahmen des Staates stiegen

1841 auf fast 56 Millionen Thaler, darunter über 18^ Mill. ausder Grundsteuer, nahe an 10 Mill. aus der Klassen- und der Ge-werbesteuer, über 22^/2 Mill. aus Zöllen n. s. w. Unter den Aus-gaben waren 8^ Mill. für Verzinsung der Schuld, 23 Mill.721 000 Thaler für das Kriegsministerium, nicht ganz 4^z Mill.für Handel, Gewerbe, Land- und Wasserbauten, Chansseebauten.Doch wurden von 183040 noch fast 15 Mill. Thaler außer-